Mit der Idee von „Exom-gematchten“ bzw. „Exom-basierten“ Aminosäurenmustern steht erstmals ein theoretisches Konzept zur Verfügung, aus dem sich das optimale Aminosäurenmuster jeder Spezies ableiten lässt. Kurz gesagt: Der Bedarf einzelner Aminosäuren, und damit deren optimales Verhältnis zueinander, ist durch die DNA festgelegt. Die Firma MITOcare hat als erste Firma ein Aminosäurenprodukt mit dem menschlichen optimalen Aminosäurenmuster auf den Markt gebracht, das meiner Meinung nach enormes Potential für viele Anwendungen wie z.B. bei Sportlern, Schwangeren, Älteren und chronisch kranken Menschen hat.
Der Talmud ist die Grundlage für das jüdische Religions- und Zivilrecht und entstand zwischen dem dritten und sechsten Jahrhundert der heutigen Zeitrechnung als Sammlung von teils wesentlich älteren mündlich überlieferten Gesetzesregeln (der sogenannten Mischna) und deren Auslegung in Kommentaren (der sogenannten Gemara) [1]. Streng genommen gibt es nicht den einen Talmud, sondern zwei Versionen: eine Sammlung aus Palästina bzw. Jerusalem und eine aus dem alten Persien (Babylon), die beide dieselbe Mischna, aber jede ihre eigene Gemara enthalten. Der babylonische Talmud, auch als Bavli bezeichnet, hat eine größere Bedeutung, da die rabbinischen Akademien in Persien wesentlich länger Bestand und Einfluss hatten als die in Palästina, doch auch der babylonische Talmud erfuhr über die Jahrhunderte signifikante Veränderungen in Form von Ergänzungen und Streichungen [2]. Entsprechend der räumlich-zeitlich ausgedehnten Entstehungszeit ist es nicht verwunderlich, dass die Inhalte des Talmud von verschiedenen kulturellen Einflüssen wie der spätantiken griechisch-römischen, persischen, syrischen oder christlichen Literatur geprägt waren [3]. Aus christlicher Sicht ist insbesondere der Einfluss des aufstrebenden Christentums und der Evangelien auf die Inhalte des Talmud interessant.
Das Buch „Jesus in the Talmud“, geschrieben von dem deutschen Professor für Judaistik Dr. phil. Peter Schäfer und 2007 von Princeton University Press veröffentlicht [4], untersucht systematisch die Stellen im Talmud, die sich (relativ) sicher oder möglicherweise auf Jesus von Nazareth beziehen, und ordnet sie historisch sowie kulturell-literarisch ein. Schäfer geht von der Beobachtung aus, dass im Talmud verstreute, oft schwer verständliche und negativ gefärbte Aussagen über Jesus vorkommen. Ziel ist es, diese nicht isoliert, sondern im Kontext der jüdisch-christlichen Auseinandersetzung der Spätantike zu verstehen. Seine wichtigste These lautet dabei: Die talmudischen Jesus-Erzählungen sind keine historischen Berichte, sondern bewusste Gegenreaktionen auf das Christentum. Sie greifen Motive aus den Evangelien auf, verdrehen oder parodieren sie gezielt und dienen dazu, jüdische Positionen gegen christliche Ansprüche zu verteidigen.
Methodisch stützt sich Schäfer vor allem auf verschiedene Ausgaben und Textfragmente des babylonischen Talmud, welche zwischen dem späten 12. Jahrhundert und der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verfasst wurden. Leider fand ab dem 13. Jahrhundert durch den Druck der katholischen Kirche eine starke Zensur des Talmuds statt, welcher viele Jesus-Passagen zum Opfer fielen (wie Bernhard Pick in einem Aufsatz aus dem Jahr 1910 erwähnt, wurden diese Passagen dann trotzdem in separaten Schriftstücken anonym weiter publiziert [5]). Schäfer übersetzt die einzelnen Passagen aus dem Original teilweise selbst, zieht Vergleiche zwischen den unterschiedlichen Talmud-Versionen, ordnet sie thematisch entlang der „Lebensgeschichte“ Jesu (von der Geburt über sein Wirken bis hin zum Tod und Nachleben) und analysiert sie schließlich. Dabei werden die Texte in den Kontext zu anderen Schriften wie dem palästinensischen Talmut, den fünf Büchern Mose (Torah) und den Evangelien gesetzt. Schäfer zeigt, dass Jesus in diesen Texten des babylonischen Talmuds durchgehend negativ dargestellt wird. Insgesamt entsteht so ein bewusstes Gegenbild zum Neuen Testament:
Geburt: Die jungfräuliche Geburt wird verspottet. Jesu Mutter, eine Frau mit langen Haaren namens Miriam, wird als treulose Ehefrau bzw. Hure dargestellt, und Jesu Vater sei ein Mann namens Panthera bzw. Pandera gewesen (möglicherweise ein römischer Soldat). Auf Seite 98 verweist Schäfer explizit auf die Rückwärts-Verdrehung der Buchstaben „r“, „th“ und „n“ des Wortes parthenos (Jungfrau) zu pantheros (Panther).
Persönlichkeit: Jesus wird nicht als Messias oder Gottessohn, sondern als moralisch schlechter Mensch und Götzendiener dargestellt, der seine Sexualität freizügig auslebt.
Wirken: Seine Wunder und Fähigkeiten als Heiler werden – ebenso wie die seiner Jünger – anerkannt, aber als Täuschung und/oder Magie interpretiert.
Tod: Jesus wird gesteinigt und dann gehängt. Seine Verurteilung durch jüdische Richter wird nicht nur nicht geleugnet, sondern als gerechte Strafe für die Ausübung von Zauberei und Blasphemie dargestellt. Instone-Brewer [6] argumentiert sogar dafür, dass diese beiden Anschuldigungen tatsächlich auch den historischen Fakten entsprechen.
Nachleben: Statt Auferstehung wird seine Bestrafung in der Hölle betont, wo er auf alle Ewigkeit in kochenden Exkrementen verbrennt. In der entsprechenden Passage wird Jesus zusammen mit zwei anderen Erzfeinden Israels erwähnt: Titus, der als Feldherr im Jahr 70 n. Chr. den zweiten Tempel in Jerusalem zerstören lies, und Balaam (Bileam), der heidnische Prophet, der vom König von Moab beauftragt wurde, Israel zu verfluchen, was Gott aber dreimal in einen Segen umwandelte (Num 23-24 [7]).
Eine Kernaussage Schäfers ist, dass die Rabbiner offenbar christliche Überlieferungen kannten, insbesondere das Evangelium des Johannes. Das Johannesevangelium ist das „judenfeindlichste“ der vier Evangelien der Bibel (siehe z.B. Joh 8:30-47, wo Jesus im Streitgespräch mit den Juden argumentiert, diese würden vom Teufel abstammen). Die Jesus-Passagen im Talmud spiegeln die Leitmotive der Evangelien in umgekehrter Form wider:
Die Auferstehung wird geleugnet; stattdessen muss Jesus in der Hölle in Exkrementen verbrennen
Anstelle seiner göttlichen Herkunft und Geburt durch die Jungfrau Maria entspringt Jesus einer unehelichen Geburt
Anstelle des heiligen Lehrers wird Jesus als falscher Prophet, Götzenanbeter und Zauberer dargestellt
Diese Texte sind daher polemische „Gegen-Erzählungen“, nicht zufällige Legenden. Zur Erklärung, warum Jesus insbesondere im babylonischen Talmud so schlecht gemacht wird, betont Schäfer die kulturellen Hintergründe der Entstehungsgeschichten der beiden Talmud-Versionen. Der babylonische Talmud entstand im Perserreich, welches damals als Staatsreligion den Zoroastrismus (auch Zarathustrismus genannt) hatte. Dort wurden Christen stärker unterdrückt als Juden, so dass die relativ freie jüdische Gelehrtenkultur offene Kritik am Christentum üben konnte, ohne Angst vor Bestrafung haben zu müssen. Palästina dagegen stand ab 324 n. Chr. unter christlicher Herrschaft von Kaiser Konstantin, so dass im palästinischen Talmud viel weniger Jesus-Passagen und direkte Angriffe auf Jesus zu finden sind. Zudem wurden im Mittelalter, wie bereits erwähnt, viele Jesus betreffende Stellen im babylonischen Talmud durch die von der katholischen Kirche auferlegte Zensur entfernt oder verändert, was ihre Rekonstruktion erschwert – dennoch argumentiert Schäfer anhand der erhaltenen unzensierten Textfragmente dafür, dass die allerersten Versionen des Talmud bereits mehrere Verweise auf das Leben und Wirken Jesu enthielten.
Das zentrale Fazit Schäfers lautet, dass der Talmud keine verlässlichen historischen Informationen über Jesus liefert, worauf auch schon Bernhard Pick 1910 hingewiesen hat [5]. Vielmehr spiegelt der Talmud wider, wie jüdische Gelehrte das Christentum wahrnahmen und sich intellektuell dagegen abgrenzten. Das macht Schäfer’s Buch zu einer sehr interessanten Lektüre nicht nur für Religionswissenschaftler, sondern für jeden Christen oder spirituellen Menschen, der sich für die Person Jesus interessiert (und damit auch Muslime, welche Jesus als Propheten sehr hoch schätzen [8]). Die einzelnen Kapitel des Buches lassen sich zügig lesen und sind mit ein bisschen Bibelwissen und kleiner Begriffsrecherche auch für Laien (wie ich einer bin) verständlich. Es existiert auch eine deutsche Ausgabe im Mohr Siebeck Verlag [9]. Für mich machte die Lektüre deutlich, dass das Christentum und Judentum grundsätzlich nicht vereinbar sind. Die Verhöhnung der Person Jesus im Talmud ist der klare Versuch einer Spaltung durch die damalige jüdische Elite und basiert nicht zuletzt darauf, dass dieser die Lehren des alten Testaments und seines rachsüchtigen, rassistischen Gottes komplett auf den Kopf stellte, indem er Demut, Nächstenliebe und Vergebung gegenüber allen Menschen predigte.
Schäfer’s Analyse wirft natürlich auch die Frage auf, wie heutige jüdische Führungspersönlichkeiten die christlich geprägte westliche Welt sehen. Schließlich wird der Talmud auch heute von orthodoxen israelischen Politikern für bare Münze genommen und prägt durch deren Einfluss Israels Politik. Die Beantwortung dieser Frage lass ich offen, aber die aktuellen politischen Geschehnisse deuten an, dass viele politische Führer mit ihrer Denkweise in Antike und Mittelalter stecken geblieben sind.
Quellenangaben
[1] Mikliszanski JK. Review: The Talmud in the Making. Jewish Q Rev 1945; 35: 437–444
[2] Lieberman S. The Talmud. Yale University Library 2001; Im Internet: https://web.library.yale.edu/cataloging/hebraica/about-judaic-texts; Stand: 08.04.2026
[3] Goldstone M. The Babylonian Talmud in its cultural context. Relig Compass 2019; 13: e12317. doi:10.1111/REC3.12317
[4] Schäfer P. Jesus in the Talmud. 1. Aufl. Princeton, New Jersey: Princeton University Press; 2007
[5] Pick B. The personality of Jesus in the Talmud. Monist 1910; 20: 4–32
[6] Instone-Brewer D. Jesus of Nazareth’s trial in the uncensored Talmud. Tyndale Bull 2011; 62: 269–294
[7] Die Bibel. Augsburg: Verlagsgruppe Weltbild GmbH; 2005
[8] Djaballah A. Jesus in Islam. South Baptist J Theol 2004; 8: 14–30
[9] Schäfer P. Jesus im Talmud. 3. Aufl. Tübingen: Mohr Siebeck; 2017
Als Jesus in einer der Städte war, kam ein Mann, der am ganzen Körper Aussatz hatte. Sobald er Jesus sah, warf er sich vor ihm zu Boden und bat ihn: Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Da streckte Jesus die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz. Lk 5, 12-13
Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Mk 4,40
An diese beiden Stellen aus der Bibel musste ich während der sogenannten Corona-Pandemie oft denken, denn sie zeigen meiner Meinung nach eindeutig, was Jesus während dieser Zeit im Unterschied zu einem Großteil der Bevölkerung gemacht hätte: nicht mit! Doch wer nicht mitmachte bei dem Einhalten von (grundgesetzwidrigen) Kontaktverboten, dem Tragen von (in den meisten Situationen sinnbefreiten) Masken, und der allgemeinen Bereitschaft zu (ebenfalls sinnlosen) Massentests und Massenimpfungen, der erfuhr in vielen Fällen mehr oder weniger starke Repressalien.
Ähnliches galt bereits für die, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung gebrauchten und sich einfach nur kritisch gegenüber all diesen Maßnahmen äußerten. Einige traf es besonders hart – sie verloren ihre Anstellung, Reputation, wichtige soziale Beziehungen und/oder finanziellen Mittel. In dem Ende 2025 erschienenen Buch „Mut zum Widerspruch. Dissidenten der Alternativlosigkeit berichten“ sind einige dieser Fälle gesammelt [1]. Das Buch ist das erste von der neu gegründeten discorso Verlagsgenossenschaft herausgegebene Buch und – um es gleich vorwegzunehmen – es ist ein gelungenes Debüt mit dem Potenzial, ein wichtiges Zeitdokument insbesondere für die Sozialforschung zu werden.
Das Buch beinhaltet 400 Seiten und besteht dabei vor allem aus insgesamt 15 persönlichen Erlebnisgeschichten von Menschen aus dem universitären, medizinischen, staatlichen oder kirchlichen Bereich, die sich einzeln in ca. 30-60 Minuten durchlesen lassen. Der Schwerpunkt bei der Auswahl der Autoren lag dabei klar auf habilitierten Wissenschaftlern, was auch auf die Herausgeber (Wolgang Stölzle und Günter Roth) und die beiden Forscherinnen Heike Egner und Anke Uhlenwinkel zutrifft, die im letzten Kapitel des Buches eine Reflexion der 15 persönlichen Geschichten anstellen und dabei ihre eigenen Forschungserkenntnisse zu den politisch motivierten Entlassungen von Professorinnen und Professoren während der Coronazeit einfließen lassen [2].
Dieser Schwerpunkt auf die persönlichen Erlebnisse von Professorinnen und Professoren ist deshalb nachvollziehbar, könnte die potenzielle Leserschaft des Buches aber einschränken. Auch bei der Auswahl der kritischen Vertreter aus der Wissenschaft stellt man ein Ungleichgewicht fest, denn die Geisteswissenschaften sind überproportional häufig vertreten, während aus dem Bereich der Naturwissenschaften kein einziger Vertreter als Autor vorkommt – ob das daran liegt, dass dem Corona-Narrativ gegenüber kritisch eingestellte Naturwissenschaftler nur selten von stärkeren Repressalien betroffen waren, weiß ich nicht. Damit sehe ich die potenzielle Leserschaft vor allem bei Sozial-, Politik- und anderen Geisteswissenschaftlern, aber grundsätzlich auch allen Menschen, die während der Coronazeit den Maßnahmen und der offiziellen Berichterstattung kritisch gegenüberstanden.
Diejenigen, welche bis heute noch nicht verstanden haben, dass die sogenannte Corona-Pandemie geplant war, um möglichst viele Menschen mit einer experimentellen Gentherapie zu „impfen“ und letztlich dem Krieg einer kleinen technokratischen Elite gegen die globale Bevölkerung entsprach [3–5], würden zwar besonders von der Lektüre dieses Buches profitieren, werden sich aber wohl kaum dafür öffnen, um ihr Weltbild zu bewahren.
Wenn man von den vielleicht verzerrten Auswahlkriterien der Autoren absieht und sich unvoreingenommen auf alle Berichte einlässt, wird einem beim Lesen nicht langweilig. Denn die Einzelschicksale sind zum einen sehr variantenreich geschildert, zum anderen auch spannend zu lesen – spannend deshalb, weil jede Geschichte nicht nur teils sehr tiefe persönliche Einblicke in die Privatsphäre und Gefühlswelt der Autoren bietet, sondern auch oft überraschende Wendepunkte, die leider oft nicht zugunsten der einzelnen Autoren verliefen.
Spätestens mit der Lektüre dieses Buches dürfte jedem Leser klarwerden: Die Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben in der bzw. seit der Coronazeit ganz offen autoritäre, totalitäre und faschistische Züge angenommen, wie Prof. Dr. Günter Roth, einer der beiden Herausgeber des Buches, in seinem einleitenden Kapitel durch einen Rückblick auf diese Zeit darstellt. Auch andere Wissenschaftler betonten bereits das autoritäre Verhalten von Staaten während der Coronazeit und insbesondere das breite Versagen von Sozialwissenschaftlern und der „kritischen Linken“, auf diese Missstände hinzuweisen [6].
Demnach ist auch der Untertitel gerechtfertigt, denn laut Politiklexikon versteht man unter Dissidenten solche Personen, „die eine vorgegebene politische oder religiöse Ordnung infrage stellen, von ihr abweichen oder ihr widersprechen; [der Begriff] wird v. a. für politische Gegner in autoritären und diktatorischen Regimen verwendet“ [7]. Nach Günter Roth’s Einleitung folgen drei Kapitel, welche die Einzelgeschichten von 15 Persönlichkeiten erzählen: Kapitel 2 namens „Widerspruch in der Wissenschaft“, Kapitel 3 namens „Widerspruch in der Medizin“ und Kapitel 4 namens „Widerspruch in Staat und Kirche“. Im 5. Kapitel namens „Wer – Was – Wie – Warum“ begeben sich die beiden Wissenschaftlerinnen Heike Egner und Anke Uhlenwinkel wie bereits erwähnt auf eine Spurensuche nach den „Kernelementen und Strukturen, die neben allen Unterschieden der einzelnen Biographien und Persönlichkeiten Gemeinsamkeiten offenbaren“ [1, Seite 373].
Das zweite Kapitel beinhaltet sechs Einzelschicksale von Wissenschaftlern, die Zweifel an dem Corona-Narrativ oder anderen Narrativen, die in einem autoritären System eben nicht infrage gestellt werden dürfen, geäußert hatten. Im Einzelnen handelt es sich um die Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Alessandra Asteriti, den Historiker Dr. Daniele Ganser, den Medienforscher Prof. Dr. Michael Meyen, die Politikforscherin Dr. Ulrike Guérot, und die beiden Wirtschaftswissenschaftler Enno Schmidt und Dr. Wolfgang Stölzle, seines Zeichens auch Mitherausgeber dieses Buches.
Ihre Geschichten zeigen, dass sich universitär Angestellte offenbar nicht erlauben können, sich öffentlich (z.B. in sozialen Medien oder Blogs) oder wissenschaftlich zu kritischen Themen zu äußern, die nur eine offiziell von der Regierung genehmigte Sichtweise erlauben. Die Fälle offenbaren ein gemeinsames Muster. Fast immer gab es einen oder mehrere Journalisten, welche – teilweise durch Denunzianten angestachelt – die jeweilige Persönlichkeit in Zeitungsartikeln in ein schlechtes Licht rückt. Das geschieht, wie es Ortwin Rosner in seiner Schilderung des Falls Guérot (dem einzigen Fall, der nicht primär aus der Ich-Perspektive erzählt wird) herausstreicht, durch Verwirrung von Begriffen:
Traditionelle Machtkritik oder wissenschaftlich neugieriges Hinterfragen werden als Verschwörungstheorien, legitime Kritik an der Politik Israels oder das Sprechen auf einer Coronademonstration werden als Antisemitismus und das Wahrnehmen faschistoider Strukturen wird als Verharmlosung des Nationalsozialismus ausgelegt [1, Seite 115]. Die Wirkung solcher Zeitungsartikel war in den geschilderten Fällen stets eine Isolation innerhalb der eigenen Universität und des erweiterten Forschungsnetzwerks, nicht selten sogar die Kündigung oder Nicht-Verlängerung der Anstellung.
Ein weiteres Instrument, mit dem einem offenen wissenschaftlichen Diskurs geschadet wird, wird in Kapitel 3 („Widerspruch in der Medizin“) von Prof. Dr. Dr. Harald Walach geschildert, der eigentlich auch in das 2. Kapitel gepasst hätte. Er beschreibt zwei Fälle von politisch motivierten Zensuren von bereits begutachteten und publizierten Fachartikeln, die ohne eine rechtfertigende Begründung erfolgten. Bei einem dieser Artikel war ich selbst Koautor [8] und wir konnten den Artikel nach nochmaliger Begutachtung in einem anderen Journal erneut publizieren [9]. Auch Walach erlitt die Ächtung seiner Universitäten aufgrund von in den sozialen Medien erzeugten Druck und verlor seine Anstellung an der medizinischen Universität Poznan sowie seine Gastprofessur an der Universität Witten-Herdecke.
Wir haben diese Erlebnisse und was sie über die Verstrickungen von Wissenschaft, Konzernen und Medien aussagen später in einem anderen Artikel in der Fachzeitschrift Journal of Scientific Exploration verarbeitet [10]. Daneben schildern in Kapitel 3 vier Ärzte ihre Erlebnisse während der Coronazeit. Die beiden Landärzte Dr. Andreas Heisler und Dr. Carola Javid-Kistel widersetzten sich den Vorgaben, Patienten nur mit Maske zu behandeln, nahmen an Corona-Demonstrationen teil und engagierten sich gegen die Massenimpfungen der Bevölkerung, was in beiden Fällen stärkste Repressalien zur Folge hatte. Beide wurden in Zeitungsartikeln diffamiert, beide mussten Razzien in ihren Praxen erdulden, beiden wurde die Praxis auch geschlossen und beide erhielten Bußgelder und mussten vor Gericht. Dr. Javid-Kistel musste sogar ins Gefängnis und schildert, wie diese Demütigungen sie gesundheitlich ruiniert haben und ins Exil nach Mexiko zwangen.
Auch die ebenfalls wissenschaftlich tätigen Ärzte Univ.-Prof. Dr. Dr. Christian Schubert und Dr. Andreas Sönnichsen engagierten sich öffentlich in Sachen Corona-Aufklärung und Maßnahmenkritik, was bei Prof. Schubert zu einer Ermahnung, bei Dr. Sönnichsen zu einer Kündigung seitens der Universität führte.
In Kapitel 4 erfährt man dann („Widerspruch in Staat und Kirche“), wie auch Soldaten, Beamte, Richter und Pfarrer bestraft werden können, wenn sie nicht „in der Spur“ laufen. Dazu dienen die Geschichten von jeweils einem Vertreter dieser Berufsgruppen:
Der Soldat Alexander Bittner, der sich dem Befehlt widersetzte, sich die sogenannte Corona-Impfung spritzen zu lassen; der Richter Christian Dettmar, der das berühmte Urteil von Weimar fällte und daraufhin wie ein Verbrecher mit Hausdurchsuchungen und Verurteilung zu 2 Jahren Gefängnis auf Bewährung bestraft wurde; der Beamte Lucian Michaelis, der für seine Teilnahme an Coronademonstrationen mit einem Disziplinarverfahren, Versetzung an einen weit entfernten Dienstort und schließlich der Entlassung bestraft wurde; und schließlich der evangelische Pfarrer Martin Michaelis, der mit viel Humor schildert, wie man innerhalb der Kirche gegen jemanden vorgeht, der sich in einer Krise an seine Vorbilder Jesus und Martin Luther anstelle von antichristlichen Regierungsvorgaben hält.
Im fünften und letzten Kapitel gehen Heike Egner und Anke Uhlenwinkel nochmals auf Gemeinsamkeiten der in dem Buch vorgestellten Fälle, insbesondere aus der Wissenschaft, ein und stellen dabei fest, dass das Vergehen in allen Fällen daraus bestand, den Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis zu folgen. Diese lässt sich durch drei Merkmale kennzeichnen: (i) Realitätsbezug; (ii) Rückgriff auf bereits vorhandenes Wissen; (iii) differenziertes Denken.
Wiederum muss man hier fragen, warum nicht viel mehr Wissenschaftler sich dieser etablierten Prinzipien bedient haben, was zwangsläufig zu einer Infragestellung der Coronamaßnahmen hätte führen müssen [6]. Denn die angebliche wissenschaftliche Fundiertheit dieser Maßnahmen entsprang eher einem Fundamentalismus im Sinne von Wissenschaft als Kult oder Pseudo-Religion, was man tatsächlich auch als Szientismus bezeichnet [11].
Ein Kennzeichen einer solch falsch verstandenen Wissenschaft ist auch eine eingeschränkte, reduktionistische Denk- und Sichtweise, die nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit beleuchtet [12,13]. Selbst wenn vielen Wissenschaftlern und anderen Menschen dieser Reduktionismus, die Irrationalität und Realitätsferne der Coronamaßnahmen aufgefallen sein sollte – warum hat der Großteil (mal wieder) geschwiegen? Dies ist wohl die Kernfrage, die in diesem Buch adressiert und zusammenfassend so beantwortet wird, dass die Hauptgemeinsamkeit aller vertretenen Autoren in einem inneren Kompass besteht, der es erlaubt, kritisch zu denken und richtig von falsch zu unterscheiden.
Dieser innere Kompass kann durch „regelmässige Praxis der Innerlichkeit“ gestärkt werden, wie es Harald Walach auf Seite 280 ausdrückt, kann aber auch durch fehlende Motivation, Betäubung und Ablenkung durch permanenten Konsum von Nachrichten, Neuigkeiten, Junk Food oder Drogen sowie – und hier wären wir wieder bei den einleitenden Worten Jesu – durch Angst außer Kraft gesetzt werden. Und das ist die wichtigste Botschaft, die das Buch Mut zum Widerspruch vermittelt:
Es lohnt sich, mutig für seine Überzeugungen einzutreten, denn in jeder einzelnen persönlichen Geschichte wird am Ende deutlich: wo äußere Umstände gegen einen bewussten Menschen arbeiten, entstehen persönliches Wachstum, neue Verbindungen und viele positive Möglichkeiten. Habt also keine Angst!
(Dieser Artikel erschien auch bei apolut [14])
Quellen
[1] Stölzle W, Roth G, Hrsg. Mut zum Widerspruch. Dissidenten der Alternativlosigkeit berichten. 1. Aufl. Basel: discorso Verlagsgenossenschaft; 2025
[2] Egner H, Uhlenwinkel A. Wer stört, muss weg! Die Entfernung kritischer Professoren aus Universitäten. 1. Aufl. Neu-Isenburg: Westend
[3] Kyrie V, Broudy D. Cyborgs R Us: The Bio-Nano Panopticon of Injected Bodies? Int J Vaccine Theory, Pract Res 2022; 2: 355–383. doi:10.56098/ijvtpr.v2i2.49
[4] Röper T. Inside Corona. Die Pandemie, das Netzwerk & die Hintermänner. 3. Aufl. Gelnhausen Hailer, Germany: J.K.Fisher-Verlag; 2022
[5] Hughes DA. “Covid-19,” Psychological Operations, and the War for Technocracy. 1. Aufl. Cham, Switzerland: Palgrave Macmillan; 2024
[6] Simandan D, Rinner C, Capurri V. The academic left, human geography, and the rise of authoritarianism during the COVID-19 pandemic. Geogr Ann Ser B, Hum Geogr 2023; doi:10.1080/04353684.2023.2168560
[8] Walach H, Klement RJ, Aukema W. Retracted: The Safety of COVID-19 Vaccinations — We Should Rethink the Policy. Vaccines 2021; 9: 693. doi:10.3390/vaccines9070693
[9] Walach H, Klement RJ, Aukema W. The safety of Covid-19 vaccinations — should we rethink the policy? Sci Pub Health Pol Law 2021; 3: 87–99
[10] Walach H, Klement RJ. Medicine, money, and media: A case study of how the Covid-19 crisis corrupts disclosure and publishing ethics. J Sci Explor 2024; 38: 122–137. doi:10.31275/20243249
[11] Milgrom LR. Against Scientism: Corrupted Science and the Fight for Medicine’s Soul. Complement Med Res 2021; 28: 56–63. doi:10.1159/000510229
Das folgende Interview stellt einen Auszug aus meinem bald erscheinenden Buch „KREBS – verstehen, vermeiden und ganzheitlich behandeln“ dar, welches ingesamt zwölf derartige Interviews mit renommierten Therapeuten, Ärzten und Wissenschaftlern enthält.
Thomas N. Seyfried ist Professor für Biologie am Boston College im US Bundesstaat Massachusetts; er promovierte 1976 in Genetik und Biochemie an der Illinois Universität in der Stadt Urbana.
Sein Studium absolvierte er an der New England Universität, wo er vor kurzem den angesehenen Alumni Achievement Award verliehen bekam. Er besitzt auch einen Masterabschluss in Genetik von der Illinois Universität in der Stadt Normal im Zentrum von Illionois. Thomas Seyfried diente während dem Vietnamkrieg in der ersten Kavallerie-Division der US Army, wo er mehrfach mit Medaillen und Empfehlungsschreiben ausgezeichnet wurde. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Neurologie an der medizinischen Fakultät der Yale Universität, wo er sich auch zum Assistenzprofessor habilitierte. Andere Auszeichnungen und Ehrungen wurden ihm von verschiedensten Organisationen verliehen, darunter die American Oil Chemists Society, das National Institute of Health, die amerikanische Gesellschaft für Neurochemie und der speziellen Interessengruppe für ketogene Diäten der amerikanischen Epilepsiegesellschaft. Dr. Seyfried war früher Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der nationalen Tay-Sachs and Allied Diseases Association. Für sein Lebenswerk wurde er von der Akademie für komplementäre und integrative Medizin und der internationalen Dose Response Society ausgezeichnet, und für seine Krebsforschungen erhielt er den Wissenschaftspreis des American College of Nutrition. Derzeit gehört er mehreren Redaktionsleitungen an, unter anderem für die Fachzeitschriften Nutrition & Metabolism, Neurochemical Research, dem Journal of Lipid Research, und ASN Neuro, wo er der Chefredakteur ist. Dr. Seyfried hat mehr als 200 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht und ist Autor des Buches Cancer as a Metabolic Disease: On the Origin, Management, and Prevention of Cancer (Wiley Press). Sein Buch wurde vor Kurzem ins Chinesische übersetzt und eine türkische Übersetzung ist in Arbeit. Er hat seine Forschung in vielen Podcasts und Radiointerviews beschrieben, und seine Arbeit bildet die Grundlage für den Dokumentarfilm The Cancer Revolution. Eine komplette Auflistung der wissenschaftlichen Publikationen von Dr. Seyfried kann in der medizinischen Literaturdatenbank PubMed aufgerufen werden (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov).
Lieber Tom, vor 100 Jahren veröffentlichte Otto Warburg seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse zum Tumorstoffwechsel, nach denen generell alle aggressiven Tumore durch eine hohe Aufnahme von Glukose bei gleichzeitig vermehrter Freisetzung von Laktat gekennzeichnet sind. Wann und warum hast Du ein Interesse an Warburg’s Arbeiten entwickelt?
Das war, als ich begann, Forschungen zur therapeutischen Wirkung von Kalorienrestriktion und kalorienbeschränkter ketogener Diäten bei Mäusen mit Hirntumoren durchzuführen. Wir fanden heraus, dass die therapeutischen Effekte dieser Behandlungen direkt mit einer Senkung des Blutzuckerspiegels und einer Erhöhung der Ketonkörper zusammenhingen. Warburg lieferte die Hinweise, dass alle Krebszellen die aerobe Fermentation von Glukose erhöhen, da ihre Fähigkeit der oxidativen Phosphorylierung (=Zellatmung) vermindert ist. Wir fanden auch heraus, dass alle häufigen Krebsarten durch Abnormitäten in der Anzahl, Struktur und Funktion ihrer Mitochondrien gekennzeichnet sind. Somit haben wir Warburg‘s Schlussfolgerungen bestätigt. Warburg hatte absolut Recht, als er Krebs als eine Störung der mitochondrialen Funktion definierte. Wir berichtigen aktuell ein paar Fehldeutungen, die im Zusammenhang mit Warburg’s Ergebnissen verbreitet wurden und sammeln neue Informationen, die Warburg damals nicht zur Verfügung standen, die aber die Neuformulierung der Theorie von Krebs als mitochondriale Stoffwechselerkrankung ermöglichen.
Kannst Du ein paar dieser Fehldeutungen von Warburg’s Ergebnissen benennen und kurz erklären?
Hier sind die Fehlinterpretationen, die Warburg in Bezug auf die ATP-Erzeugung in Krebszellen gemacht hat, und die Richtigstellungen dazu.
1. Warburg verwendete die Milchsäureproduktion als Maß für die ATP-Menge, die in Krebszellen durch Glykolyse erzeugt wird. Er nahm an, dass 1 mol Laktat äquivalent zu der Produktion von 1 mol ATP wäre. Er wusste nicht, dass viele Krebszellen große Mengen der Pyruvatkinase M2 (PKM2)-Isoform exprimieren, welche nicht wie die PKM1-Isoform im letzten Schritt der Glykolyse durch die Umwandlung von Phosphoenolpyruvat in Pyruvat ATP erzeugt (sie verursacht einen Rückstau in der Glykolyse, so dass deren Zwischenprodukte zur Nukleinsäure-, Phospholipid- und Aminosäure-Synthese abgezweigt werden). Krebszellen produzieren deshalb eine erhebliche Mange Laktat, unabhängig von der ATP-Synthese. Es ist insbesondere schwierig, das in der Glykolyse produzierte ATP in Krebszellen zu messen, die eine Mischung aus den PKM2 & PKM1 Isoformen haben. Also lag Warburg falsch, als er die Laktatproduktion als Maß für die ATP Synthese in der Glykolyse benutzte.
2. Warburg nahm auch an, dass der Sauerstoffverbrauch von Tumorzellen komplett mit der ATP Synthese durch oxidative Phosphorylierung korrelieren würde. Er rechnete aus, dass pro 1 mol verbrauchtem Sauerstoff 7 mol ATP durch oxidative Phosphorylierung erzeugt würden. Obwohl in normalen Zellen und Geweben der Sauerstoffverbrauch gut mit der ATP Erzeugung korreliert, zeigen neuere Daten aus mehreren Studien, dass in Krebszellen der Sauerstoffverbrauch nur teilweise mit einer ATP Erzeugung durch oxidative Phosphorylierung korreliert. Der größte Teil des verbrauchten Sauerstoffs in Krebszellen entfällt auf die Produktion von ROS und andere sauerstoffverbrauchenden Reaktionen, die unabhängig von der oxidativen Phosphorylierung sind. Darum lag Warburg falsch, als er den Sauerstoffverbrauch von Krebszellen als Maß für das durch oxidative Phosphorylierung erzeugte ATP benutzte.
3. Schließlich wusste Warburg nichts von der Möglichkeit, ATP aus Glutamin zu erzeugen, was innerhalb der Glutaminolyse auf Stufe des Succinyl-Coenzym A durch mitochondriale Substratebenenphosphorylierung passiert (Anmerkung: Succinyl-Coenzym A entsteht im katabolen Stoffwechselweg der Glutaminolyse aus α-Ketoglutarat, siehe Abbildung 14). Die Erzeugung von ATP durch Glutaminolyse kann eine unzureichende ATP-Produktion sowohl durch Zellatmung als auch durch Glykolyse kompensieren. Sowohl Warburg als auch sein Hauptkritiker Sidney Weinhouse wussten nicht über Glutaminfermentation als wichtige Quelle von ATP in Krebszellen Bescheid. Daraus folgt, dass die Argumente zwischen Warburg und Weinhouse, die sich auf Berechnungen der ATP Synthese durch den Meyerhof-Quotient bezogen, belanglos sind.
Warburg lag vollkommen richtig, indem er Krebs als Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels definierte, die eine kompensatorische Fermentation zur ATP-Gewinnung notwendig macht. Er fehldeutete nur die Laktatproduktion und den Sauerstoffverbrauch als zuverlässige Maße für die ATP-Produktion durch Glykolyse bzw. oxidative Phosphorylierung. Da zur damaligen Zeit kaum Daten zur Möglichkeit der ATP-Synthese durch mitochondriale Substratebenenphosphorylierung vorlagen, wusste Warburg nichts von dieser zweiten Möglichkeit der Fermentation, die ohne Sauerstoff, oxidative Phosphorylierung und Glykolyse ATP erzeugen kann. Warburg lag dahingehend richtig, dass er behauptete, aerobe Fermentation (=Fermentation trotz normaler Sauerstoffversorgung) würde eine unzureichende oxidative Phosphorylierung kompensieren.
In modernen Gesellschaften ist Krebs zu einer Art Pandemie ausgeartet. Welches sind die wichtigsten Risikofaktoren für die Krebsentstehung? Ist Fleisch ein Risikofaktor?
Ernährung und Lebensstil sind die wichtigsten Risikofaktoren für die Krebsentstehung. Der Verzehr hochverarbeiteter kohlenhydratreicher Lebensmittel bei gleichzeitigem Fehlen eines angemessenen täglichen körperlichen Trainings sind die hauptsächlichen Risikofaktoren für die meisten chronischen Krankheiten inklusive Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ 2-Diabetes, Übergewicht, Demenz und anderen. Übergewicht hat das Rauchen als wichtigen Risikofaktor für Krebs nun abgelöst.
Der Verzehr von natürlichem Fleisch ist kein Risikofaktor für Krebs. Unsere steinzeitlichen Vorfahren ernährten sich hauptsächlich von Fleisch, wie Du ja auch in diesem Buch beschrieben hast. Krebs ist unter indigenen Stämmen extrem selten, solange sie ihrem ursprünglichen Lebensstil folgen. Ohne Fleischkonsum in unserer evolutionären Vergangenheit würden wir heute nicht als menschliche Spezies existieren. Fleisch enthält kaum Kohlenhydrate. Von unserer Biologie her sind wir hervorragend an Fleischkonsum angepasst.
Kannst Du kurz beschreiben, was die wesentlichen Veränderungen sind, die während dem Übergang einer normalen Zelle in eine Krebszelle passieren?
Jede chronische Verletzung unserer Gewebe, die eine Schädigung der oxidativen Phosphorylierung in den Mitochondrien zur Folge hat, kann eine normale in eine Krebszelle verwandeln. Zu diesen Verletzungen zählen chronische Entzündungen, zeitweilige Hypoxie, Aussetzung gegenüber Karzinogenen oder Strahlung, Infektion mit onkogenen Viren, seltene vererbte Mutationen und der Alterungsprozess. Die Funktion der Mitochondrien kontrolliert die Zelldifferenzierung und den Zellzyklus. Die schrittweise Ersetzung der ATP-Erzeugung mittels oxidativer Phosphorylierung durch ATP-Erzeugung mittels Fermentation führt zu einer Entdifferenzierung und zur Fehlregulation des Zellwachstums. Eine Fehlregulation des Zellwachstums entspricht der offiziellen Definition von Krebs.
Gibt es Deiner Erfahrung nach einen relativen Unterschied zwischen Glukose und Glutamin hinsichtlich der Wichigkeit für Tumorzellen und falls ja, von welchen Faktoren hängt dieser ab?
Beide Substrate sind notwendig und hinreichend für die Lebensfähigkeit und das Wachstum der meisten, wenn nicht sogar aller Tumorzellen. Kohlenstoff aus Glukose befeuert die Glykolyse und den Pentosephosphatweg zur Erzeugung von Biomasse, während Glutamin die Glutaminolyse antreibt und Stickstoff für die Sythese von DNA, RNA und Proteinen liefert. Beide Substrate unterstützen auch die Erzeugung von ATP durch Substratebenenphosphorylierung (=Fermentation) im Zytoplasma bzw. den Mitochondrien. Wir haben bis heute weder eine Tumorzelle finden können, die im Stande war, längerfristig ohne Glukose oder Glutamin zu überleben, noch konnten wir eine Zuckerverbindung, Fettsäure oder Aminosäure finden, die einer Tumorzelle das Überleben ohne Glukose und Glutamin ermöglicht hat.
Kannst Du kurz das von Dir empfohlene Behandlungsprotokoll für Krebspatienten vorstellen?
Wir verwenden die therapeutische Press-Pulse-Strategie, um die Verfügbarkeit von Glukose und Glutamin für Tumorzellen einzuschränken. Tumorzellen können in Abwesenheit von Glukose und Glutamin weder Fettsäuren noch Ketonkörper für ihr Überleben nutzen. Daraus folgt im Rahmen der mitochondrialen Stoffwechseltheorie, dass die einfachste Strategie um Krebs in den Griff zu bekommen in einer Einschränkung der Verfügbarkeit von Glukose und Glutamin mit gleichzeitigem Wechsel in einen ketogenen Zustand besteht.
Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Gründe dafür, dass es Therapien, die beim Stoffwechsel ansetzen, noch nicht in die klinische Anwendung geschafft haben und von vielen Onkologen sogar abgelehnt werden?
Die meisten Onkologen unterstützen solche Stoffwechseltherapien nicht, weil sie große Wissenslücken über die Biologie von Krebs besitzen und unbedingt den Status Quo aufrechterhalten wollen.
Ich habe auch gehört, wie Du darüber gesprochen hast, dass der menschliche Körper ein enormes Potential zur Selbstheilung besitzt und dass Gebete diesen Prozess noch verbessern können. Kannst Du das genauer erklären?
Der menschliche Körper kann sich selbst heilen, wenn er die Möglichkeit dazu bekommt. Die Einschränkung der Nahrung hat bei den meisten Säugetieren heilsame Effekte. Menschen scheinen die einzigen Säugetiere zu sein, die einfach weiter essen, wenn sie krank oder verletzt sind. Es ist lange bekannt, dass Fasten, während dem nur Wasser getrunken wird, sehr heilsame Effekte hat. Beten liefert die Kraft, ein solches Fasten diszipliniert durchzuhalten.
Ich erinnere mich voll Freude zurück an unsere gemeinsame Kneipentour 2017 in Tampa, Florida, wo wir Bier, Wein oder andere Getränke hatten (die genauen Details weiß ich nicht mehr…). Scheinbar teilen wir beide die Ansicht, dass für jemand, der gesund ist, keine Notwendigkeit besteht, übermäßig streng bei der Ernährung oder anderen Lebensstilfaktoren aufzupassen, und dass sozialer Austausch sehr wichtig ist. Was sind Deine 5-10 besten Ratschläge für ein langes gesundes Leben?
Das hier sind nur Anregungen:
1. Arbeite solange Du kannst und solange Dir die Arbeit Spaß macht.
2. Pflege Deine sozialen Kontake.
3. Achte auf Dein Körpergewicht, so dass der BMI innerhalb des Normalbereichs bleibt.
4. Trainiere täglich, um eine gute Herz-Kreislauffunktion zu erhalten.
5. Am wichtigsten: Versuche den Konsum von hochverarbeiteten kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln zu vermeiden!
Im November 2022 erschien in Frontiers in Nutrition eine chinesische Studie, die die bibliometrischen Daten zu allen Publikationen mit dem Thema „Ketogene Diät und Krebs“ analysierte [1]. Eingeschlossen wurden insgesamt 500 Publikationen, die zwischen 1. Januar 2012 und 31. Dezember 2021 veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse haben mich positiv überrascht, denn offenbar ist Schweinfurt ein weltweiter Hotspot was die Forschung zu diesem Thema betrifft.
Zunächst einmal sieht man aus untenstehender Abbildung (übernommen aus [1]) , wie sich die jährliche Zahl der Publikationen zu „Keto und Krebs“ seit 2012 entwickelt hat (A), und dass die Häufigkeit mit der solche Artikel von anderen zitiert werden, über die Jahre zunahm (B). Insgesamt bezeugen die Trends ein steigendes Interesse an dem Thema in der Wissenschaft.
Dann die freudige Überraschung: Die Analyse zeigt, dass meine Arbeiten zu dem Thema zu den zweithäufigsten und zweitmeist zitierten weltweit gehören. Nur Tom Seyfried hat mehr zu „Keto und Krebs“ publiziert. Auch PD Dr. Reinhart Sweeney, Leiter der Klinik für Strahlentherapie Schweinfurt, hat es in die Top 10 der Autoren auf Platz 5 geschafft.
Entsprechend rangiert das Leopoldina Krankenhaus weltweit auf Platz 8 was die Zahl der Publikationen zu „Keto und Krebs“ betrifft. An erster Stelle steht die Harvard Universität, gefolgt vom Boston College und dem Pennsylvania Commonwealth System of Higher Education, einem Verbund von vier Universitäten des US-Staates Pennsylvania.
Wahrscheinlich hätte es auch die Uniklinik Würzburg mit Prof. Dr. Ulrike Kämmerer in die Top 10 geschafft, wenn Li et al. [1] noch das Jahr 2011 berücksichtigt hätten. Damals erschienen nämlich zwei wichtige und vielzitierte Arbeiten: zum einen der weltweit erste Übersichtsartikel zu dem Thema „Keto und Krebs“, den Uli Kämmerer und ich bei Nutrition and Metabolism veröffentlicht hatten [2] und der – Stand 22.03.2023 – laut Google Scholar 293mal, laut Scopus 143mal zitiert wurde; zum anderen der relativ zeitgleich im selben Journal erschienene Artikel, der die Ergebnisse einer Pilotstudie von Uli Kämmerer und ihrem Team zusammenfasste, in der die Lebensqualität von fortgeschrittenen Krebspatienten unter einer ketogenen Diät untersucht wurde [3]; diese Studie wurde bis jetzt 371mal (laut Google Scholar) bzw. 181mal (laut Scopus) zitiert!
Etwas stolz können wir also die Region Würzburg-Schweinfurt als weltweites Forschungszentrum zu ketogener Diät und Krebs bezeichnen, was auch zu dem guten Abschneiden Deutschlands im Ländervergleich beigetragen hat (Deutschland auf Platz 2 hinter den USA und gefolgt von Italien) [1]. In Zukunft sieht es allerdings so aus, dass die Chinesen, die zum Zeitpunkt der Analyse auf Platz 4 rangierten, bald Deutschland überholen könnten, denn ihr wissenschaftlicher Output auch zu diesem Thema steigt enorm.
[1] Li R, Huang Q, Ye C, Wu C, Luo N, Lu Y, et al. Bibliometric and visual analysis in the field of ketogenic diet on cancer from 2012 to 2021. Front Nutr 2022;9:1060436.
[2] Klement RJ, Kämmerer U. Is there a role for carbohydrate restriction in the treatment and prevention of cancer? Nutr Metab (Lond) 2011;8:75. doi:10.1186/1743-7075-8-75.
[3] Schmidt M, Pfetzer N, Schwab M, Strauss I, Kämmerer U. Effects of a ketogenic diet on the quality of life in 16 patients with advanced cancer: A pilot trial. Nutr Metab (Lond) 2011;8:54.
An diesem Montag, dem 24. Oktober 2022, wurde mein neuer Artikel zur Notwendigkeit einer hohen Kohlenhydratzufuhr bei Neanderthalern in der Fachzeitschrift American Journal of Biological Anthropology veröffentlicht. Die Motivation, diesen Artikel zu schreiben, erhielt ich durch einen anderen, ungefähr vor einem Jahr publizierten Artikel von Hardy et al., in dem die Autoren behaupten, dass Neanderthaler mindestens 50% ihrer Energie aus pflanzlichen Kohlenhydraten gewinnen mussten. Dabei berufen sie sich vor allem auf gängige Ernährungsempfehlungen und einen mutmaßlich hohen Kohlenhydratbedarf von schwangeren/stillenden Frauen sowie von Athleten, was meiner Ansicht nach sehr fragwürdige Argumente für ihre Behauptung darstellen. Stattdessen arbeite ich heraus, dass Neanderthaler sehr wohl Hypercarnivoren (>70% Energie aus tierischen Lebensmitteln) gewesen sein können, falls ihr Stoffwechsel auf eine niedrige Kohlenhydratzufuhr und Ketose adaptiert war. In meinem Artikel präsentiere ich zudem Daten eines männlichen Rugby-Spielers, der sich vier Monate lang ausschließlich von tierischen Produkten ernährte und dabei keine Leistungseinbußen erlitt. Der Artikel kann über folgenden Link kostenlos gelesen werden: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ajpa.24643
Nur einen Tag später erschien in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the U.S.A. ein anderer Artikel, der meine Einschätzung weiter untermauert. Darin beschreiben die Autoren die Ergebnisse einer Isotopenanalyse des Zahnschmelzes eines Neanderthalers, welches in Spanien ausgegraben wurde. Insbesondere untersuchten die Autoren zum ersten Mal das Zink Isotopenverhältnis (66Zn/64Zn = δ66Zn) in Material eines Neanderthalers und fanden, dass es konsistent war mit einem Hypercarnivoren an der Spitze der Nahrungskette. Auch dieser Artikel kann kostenlos gelesen werden: https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.2109315119
Wieder einen Tag später gab Dr. Shawn Baker bekannt, dass nun eine Studie startet, die untersuchen soll, wie eine carnivore Ernährung Menschen dabei hilft, ihre Medikamente abzusetzen und chronische Erkrankungen zu heilen. Die Studie möchte den Gesundheitszustand vor und nach der Implementierung einer carnivoren Ernährung anhand von Medikamenten und medizinischen Befunden erfassen. Ich weiß nicht, ob man auch außerhalb der USA an der Studie teilnahmen kann, aber unter diesem Link erfährt man mehr: https://revero.questionpro.com/a/TakeSurvey?tt=i3%2BmA1FC7AwECHrPeIW9eQ%3D%3D
Diese neuen Publikationen und der Start der neuen Studie von Dr. Shawn Baker sind ein Schritt in die richtige Richtung, um mehr Erkenntnisse über die evolutionären Wurzeln menschlichen Fleischessens und dessen gesundlichen Nutzens zu erlangen.
Gerade hatte ich ein schönes Podcast Interview mit Dr. Shawn Baker, seines Zeichens Arzt, Athlet und Autor des Buches The Carnivore Diet. Gegen Ende fragte er mich nach Tipps, um möglichst die Entstehung von Krebs zu verhindern. Ich nannte vier wesentliche Punkte, die aus meiner Sicht wichtig sind: Chronischen Stress reduzieren, artgerechte Ernährung, körperliche Ertüchtigung und ein gutes Sozialleben. Im Nachgang fielen mir sofort noch drei weitere wichtige Punkte ein, so dass ich hier meine sieben Tipps für die Vermeidung von Krebs und ein gesundes Leben allgemein widergeben möchte:
Dankbarkeit: Sei dankbar auch für die kleinen Dinge des Lebens, denn nichts ist selbstverständlich. Wenn Dir etwas unangenehmes zustößt, hilft der Zaubersatz, den Viktor Philippi geprägt hat: „Gott sei Dank ist es so und nicht schlimmer.“ Denn es könnte stets schlimmer sein.
Reduktion von chronischem Stress: Die gleiche Situation kann bei zwei unterschiedlichen Menschen zu unterschiedlichem Stressempfinden führen. Deshalb soll man lernen, seine Denkmuster so zu ändern, dass chronischer Stress gar nicht erst entstehen kann. Auch hier hilft immer wieder der Satz „Gott sei Dank so und nicht schlimmer“. Meditation ist auch ein gutes Mittel.
Artgerechte Ernährung. Ein weitgehender Verzicht auf industriellen Zucker und Getreide sind die wichtigesten Maßnahmen. Aber niemals sollte man sich selbst kasteien, sondern sich ab und zu etwas gönnen ist völlig in Ordnung – sei es das Stück Kuchen am Sonntag oder der berühmt-berüchtigte Cheat-Day.
Körperliche Bewegung: Am wichtigsten ist nicht primär welche Art von Bewegung, sondern dass man sich bewegt! Optimal wäre eine lebenslange Mischung von Kraft- und Ausdauertraining.
Verbindung mit der Natur: So oft es geht sollte man sich in die Natur begeben; auch eine bewusste Verbindung, sei es durch körperliche „Erdung“ wie beim Barfußgehen oder eine spirituelle Verbindung sind wichtig.
Verbindung mit lieben Menschen: Man sollte lernen, viel Zeit mit den Menschen zu verbringen, die einem gut tun, während man den Kontakt mit den Menschen, die einem nicht gut tun, auf das Nötigste reduziert, ohne sich aber von diesen abzuspalten. Im Prinzip gehören alle Menschen auf der Erde zu einer großen Menscheitsfamilie. Versuche, den Menschen zu vergeben, die dich irgendwie verletzt oder gekränkt haben, auch wenn es schwer fällt und lange braucht.
Verbindung zu Gott, was auch immer man darunter versteht (ohne hier explizit einen religiösen Gott zu meinen). Dazu zählt ein gewisses Vertrauen in das Leben, die Liebe zu allen Mitgeschöpfen und alle oben genannten Punkte, im vollen Bewusstsein was uns als Menschen gut tut.
Eine Impfpflicht mit Covid-19 Vakzinen ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand rechtlich und ethisch nicht begründbar.
Die von Befürwortern einer allgemeinen Impfpflicht vertretene Auffassung, dass die kollektive Impfung in der gegenwärtigen Situation alternativlos sei, ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand unhaltbar. Es gibt keine den üblichen Standards folgenden wissenschaftlichen Daten, die belegen, dass die Impfung für jede Bürgerin, jeden Bürger unabhängig von Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen oder anderen Faktoren mehr Nutzen als Schaden stiftet.
Weder liegen hierzu die üblicherweise in Zulassungsverfahren geforderten Daten aus randomisierten kontrollierten Studien noch aus epidemiologischen Kohorten mit hinreichender Qualität vor. Für große Gruppen der Bevölkerung gibt es überhaupt keine Evidenz für einen Nutzen, z.B. für gesunde Kinder und junge Erwachsene oder für Schwangere im ersten Drittel der Schwangerschaft. Dagegen ist ein Schaden nicht auszuschließen, sondern ist mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sogar anzunehmen. Solche Gruppen zur Impfung zu nötigen, heißt von ihnen zu fordern, dass sie eine Körperverletzung hinnehmen. Die Frage, ob eine Impfung für eine konkrete Person sinnvoll ist oder nicht, verbleibt eine individuelle Entscheidung, die ggfs. nach Rücksprache mit einer Ärztin/Arzt des Vertrauens von jeder Bürgerin und jedem Bürger, bzw. von Eltern in eigener Verantwortung beantwortet werden muss. Die immer wieder postulierte »Notlage« ist hypothetisch und muss nach fast zwei Jahren in einem der bestentwickelten Gesundheitssysteme der Welt als unrealistisch betrachtet werden. Die scheinbare Begründung einer solchen Notlage durch mathematische Modelle führt in die Irre. Sofern trotz der in Deutschland verfügbaren Kapazitäten Versorgungsprobleme auftreten, ist vielmehr nach der politischen und organisatorischen Verantwortung zu fragen.
Dem Staat fehlt nach dem Vorgesagten jegliche wissenschaftliche, rechtliche und ethische Legitimation, sich über den Willen von Bürgerinnen und Bürgern hinwegzusetzen.
Neben der allgemeinen Impfpflicht wird die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie Krankenhauspersonal, Beschäftigte in der Pflege etc. unter dem Gesichtspunkt eines erhöhten Schutzbedarfs vulnerabler Gruppen diskutiert. Die bisherigen Erfahrungen in der Bundesrepublik zeigen, dass nach einer gewissen Einschwingzeit am Anfang der Pandemie die professionelle Hygiene dieser Berufsgruppen ausreichend ist, Ausbrüche weitestgehend zu verhindern. Eine generelle Impfpflicht in diesen Berufsgruppen muss somit als unverhältnismäßig angesehen werden, auch und gerade vor dem Hintergrund einer Infizierbarkeit durch Geimpfte. Ein konsequenter Infektionsschutz erfordert bei entsprechender epidemischer Lage die Testung des Personals unabhängig von dessen Immunstatus, womit der Zusatznutzen der Impfung fraglich wird und eine Impfpflicht nicht gerechtfertigt werden kann.
Auch in dieser Situation hat der Staat nicht das Recht, die individuelle Entscheidung über die Impfung vorzuschreiben, da es niederschwellige Maßnahmen gibt, die den gleichen Zweck erfüllen.
Die Unterzeichner
Prof. Dr. Karl-Heinz Jöckel, Essen Prof. Dr. Ulrich Keil, Münster Dr. Angela Spelsberg, Aachen Prof. Dr. Andreas Schnepf, Tübingen Prof. Dr. Michael Esfeld, Lausanne Prof. Dr. Paul Cullen, Münster Prof. Dr. Bernhard Müller, Melbourne Prof. Dr. Boris Kotchoubey, Tübingen Prof. Dr. Tobias Unruh, Erlangen Dr. Sandra Kostner, Schwäbisch Gmünd Dr. René Kegelmann, Stuttgart PD Dr. Stefan Luft, Bremen Prof. Dr. Harald Schwaetzer, Biberach Prof. Dr. Andreas Brenner, Basel Prof. Dr. Wolfram Schüffel, Marburg Prof. Dr. Anke Steppuhn, Stuttgart Prof. Dr. Saskia Hekker, Heidelberg Jun.-Prof. Dr. Alexandra Eberhardt, Paderborn Dr. Henning Nörenberg, Malmö PD Dr. Axel Bernd Kunze, Bonn Prof. Dr. Henrieke Stahl, Trier Dr. Jens Schwachtje, Nürtingen Prof. Dr. Christin Werner, Dresden Prof. Dr. Ole Döring, Berlin Dr. Christian Lehmann, München Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann, Hagen Prof. Dr. Stefan Homburg, Hannover Prof. Dr. Salvatore Lavecchia, Udine Prof. Dr. Steffen Roth, La Rochelle und Vilnius Dr. Jan Dochhorn, Durham Prof. Dr. Günter Roth, München Dr. Hans-Jörg Ulmer, Leinfelden-Echterdingen Prof. em. Dr. Stephan Rist, Bern Prof. Dr. Wolfgang Stölzle, Bazenheid PD Dr. Rainer Klement, Schweinfurt Dr. Matthias Burchardt, Köln Prof. Dr. Eberhard Göpel, Bielefeld Prof. Dr. Sven Hildebrandt, Dresden Dr. Justine Büchler, Dresden Prof. Dr. Martin Winkler, Winterthur Dr. Agnes Imhof, Erlangen Prof. Dr. Viktoria Däschlein-Gessner, Bochum Prof. Dr. Jörg Matysik, Leipzig Dr. Christian Mézes, Schwäbisch Gmünd Dr. Mohamed Mahde Saleh, Bonn Prof. Dr. Alexander Blankenagel, Berlin Dr. Dana Sindermann, St. Gallen Prof. Dr. Gerald Dyker, Bochum Prof. Dr. Pietro Corvaja, Udine Prof. Dr. Klaus Morawetz, Münster Prof. Kerstin Behnke, Weimar Prof. Dr. Christina Zenk, Trossingen Prof. Dr. Friedrich Röpke, Heidelberg Prof. Dr. Hardy Bouillon, Trier
This comment was sent to the editorial office of Vaccines in response to their retraction of our paper „The Safety of Covid-19 Vaccinations – We Should Rethink the Policy“. The retraction was a political desicion and is an example how science has been undermined by financial and political interests. I have to draw back a previous statement of mine from an older blog article named „Science is able to correct itself„. This is only true for an ideal science that tries to attain knowledge about reality or „the World“ based on human experiences and observations, thereby being open to correct former beliefs if new data lead to new conclusions. Once science allows financial and political interests to determine which data to use or which conclusions to draw (or not draw), it becomes a religion-like enterprice. Unfortunately, this is the current state of mainstream so-called medical science.
Comment to the retraction of our paper
The Journal “Vaccines” retracted our paper “Walach, H., Klement, R. J., & Aukema, W. (2021). The Safety of COVID-19 Vaccinations—We Should Rethink the Policy. Vaccines, 9(7), 693. doi:10.3390/vaccines9070693” on July 2nd, following a retraction decision on July 1st (https://www.mdpi.com/2076-393X/9/7/729/htm). Thereby the Journal violated the ethical standards of good publishing. The publisher of the Journal, MDPI, states (https://www.mdpi.com/ethics):
The main findings of the work are still reliable and correction could sufficiently address errors or concerns
An editor has inconclusive evidence to support retraction
or is awaiting additional information such as from an institutional investigation for information about expressions of concern.
The Journal and its Editors did not wait for our response before retraction
The Journal violated its own ethical code of conduct by not awaiting and not publishing our response to the concerns raised (see below). The time line was the following:
Our paper was published on June 24.
On June 25 (18:19, all times Central European Time) the journal received an email from LAREB, the Dutch health authority whose data we had used for our analysis.
On June 28 (08:59) I was forwarded this mail with the request to respond and the information that the journal would wait until our response was received.
On June 28 (13:06) the Journal notified us about the fact that “serious concerns” had been raised and that the Journal would publish an Expression of Concern that day or the next. The Journal did not wait for our response.
On June 29 (5:17) I told the Journal that we would send a statement that very day. The Journal responded at 9:43 with the request to send a statement soon. I answered that we would have a conference call at 4 pm to finalize it and send it afterwards. We sent our response that day at 19:11 with the request to publish it.
On July 1, time unknown, the decision to retract was taken, without formally or informally considering our response, nor answering it. We received a mail at 14:51 that day to notify us of the decision with the request. I was traveling without access to internet; my colleagues responded (20:44) that we do not agree and that we would send a formal response the next day.
On July 2, 12:21, the journal notified us that a retraction would be published together with our statement of disagreement. I did not receive a request to send a final comment. My colleagues responded promptly telling the journal that we would be sending a reply before business closure that day, at 17:00, and at 16:47 my coauthor Wouter Aukema sent a response.
What we observe is the following: The journal notified us with delay of 2 days about the content of the letter by Prof. van Puijenbroek, the head of pharmacovigilance at LAREB with a request to respond. While the content of the major concerns were published, our response was not.
We also observe: The decision to retract was taken without giving us due time to respond and without considering the fact that the major point of the concern was actually the causality implied by our language, and not any mistake in analysis (see below).
The true reason seems to have been pressure on part of some editors of the journal
Meredith Wadman interviewed one of us (H.W.) on that issue before here article, but did not reveal information about the resignments of editors in that conversation.
Whether or not Conflict of Interest might have been active in the background I would like to let readers decide: Katie Ewer was part of the team that developed the vector vaccine in Oxford, others such as Florian Krammer have received grants from industry involved with vaccine productions or from the Bill and Melinda Gates Foundation, which has a clearly expressed agenda in those vaccines (e.g. https://www.mountsinai.org/about/newsroom/2019/researchers-receive-12-million-grant-to-develop-flu-vaccine-against-many-viral-strains ). The Bill and Melinda Gates Foundation also sponsors the publisher of the journal, and in the sponsoring agreement (https://www.mdpi.com/about/announcements/1415) it not only says that authors whose project are funded by BMGF can publish for free but that the foundation has also access to the submission system and can thus see what is being submitted.
The timeline suggests that the Journal was not really interested in our response and that our response was irrelevant to the retraction
What we have described so far, mainly the timeline, suggests that there was never really an interest in awaiting our response and deciding fairly. The decision to retract was obviously taken before our response was evaluated, probably due to pressure.
The main concern raised was an undue causal link of side-effect reports to vaccinations and a misrepresentation of data
Prof. Eugène von Puijenbroek raised the concern that we presented data that allow only association, namely those from the side-effects data base of Covid-19 vaccines, as causally linked to the vaccines and that we presented the data as if they were medically certified.
These two concerns we take seriously. We contend, though, that they could have been remedied by an addendum in which the wording would have been changed.
We also contend: It is clear that side-effect reports from any ADR-database are always associations and would have to be investigated for causalities. We said so, in the Discussion of our paper. We should have said it more clearly, and we could have corrected that in a correction. We agree that we could have used more diligent wording.
LAREB stated itself on its website that all reports were “investigated” (we quote the passages below in the verbatim version of our response to the Journal). We took this to mean: by personnel that is competent to distinguish between real effects and those in which causality can be ruled out with high confidence. We took LAREB at its word. Obviously we should not have done so.
Prof. van Puijenbroek stated in his letter of concern that the reports are unsystematic collections or practitioners and patients. In this he contradicts himself. In a statement (also quoted below) he made in the same year he says that roughly 60% of all ADR-reports come from market-authorization holders, and the rest from practitioners and patients.
Wordings and interpretations could have been changed by an addendum or an amendment
So, the central concern could have been addressed by an addendum, or, in the case of an online-publication, by a change of wording or second version with amendments. This is what the ethical code of publishers would have suggested. We observe: The publisher did not abide by his own ethical code.
The analysis was correct; the data, if weak, not ours; the conclusions an alarm signal
Retractions are normally warranted if data are fabricated or incorrect or wrongly analyzed. The data were from LAREB and from a published study. The analysis was correct. The data are weak, we do and did say that. But they are the best we currently have. The conclusion was an alarm signal to investigate the safety. It goes without saying: the risk-benefit ratio might decrease, if we have a study with a longer observation period, as deaths as a consequence of vaccinations occur quickly, while benefits might accrue over time. But we do not have the long- term observation of safety and risks that is actually necessary to make such an assessment. However, we also know that underreporting is a serious problem in pharmacovigilance data, and this probably also applies to vaccine-related side effects. We hope that our study raised at least as much concern to instigate a safety review and a good cohort study to assess safety.
This is the response which we sent to the Journal on June 29, 2021:
Response to „Incorrect use of data..” by Prof. Dr. Eugène van Puijenbroek”
Harald Walach, Rainer J. Klement & Wouter Aukema
We are grateful to Prof. van Puijenbroek for raising his concerns. This starts a long-overdue debate on how to gauge the safety of COVID-19 vaccines. We would like to remind Prof. van Puijenbroek and all readers: These vaccines have had an emergency approval without the necessary safety data. Although we would agree with Prof. van Puijenbroek that the self-reporting system of side-effects for vaccines and other drugs is far from foolproof, it is the only data we have. So why should it not be put to use?
“The Netherlands Pharmacovigilance Centre Lareb collected 34.000 reports of adverse drug reactions in 2019, of which 14.000 reports are submitted directly to Lareb by healthcare professionals and patients and more than 20.000 were forwarded by the marketing authorisation holders. These reports are assessed and analysed, which may lead to safety signals about adverse drug reactions. These are reported to and reviewed by the Medicines Evaluation Board (MEB), supporting the MEB in its decisions in pharmacovigilance in the Netherlands and Europe.” (typos and grammatical errors removed, else identical with webquote at the end of the article)
So, what is really true and what should we go by: Is it true that roughly 60% of the adverse drug reaction (ADR)-data come from market authorization holders, who, by law, are required to report, and is it true that the data are reviewed, as stated on the website and in this article, or are these informations only true in all other cases but not in the case of COVID-19 vaccines? It would be good to have clarity on this point. We assumed that what Lareb says about all other ADR reports is also true of COVID-19 ADR reports. If we were mistaken in this assumption, perhaps Lareb should clearly state: “ADR reports are reviewed and evaluated in all cases of ADR reports, but not with COVID-19 vaccines.” And, ideally, it should also give a reason, why this is so, if it is so.
Ideally the consequence of this debate is that someone sets up a systematic observational post-marketing surveillance study in a large number of vaccinated persons under public scrutiny to really document the side-effects that can be causally related to the vaccine. Currently we only have association, we agree, and we never said anything else. But the same is true with fatalities as consequences of SARS-CoV2-infections. The cases that are counted here as deaths are rarely vetted by autopsy or second opinion, but still counted as deaths due to COVID-19. And it is exactly this allegedly high number of COVID-19 related deaths that gave rise to an unprecedented sloppy regulation process that allowed new types of vaccines using a mechanism never before tested in humans to be widely distributed in the population. Prof. Puijenbroek basically argues that the largest vaccination experiment in the history of medicine cannot be assessed for safety and unforeseeable toxicities, because we should not use the ADR data for such inferences. In contrast, we argue that it is mandatory that those data which are at hand are used to gauge the safety, and this is what we have done.
We are happy to admit that these data are far from perfect. But we repeat: they are the only ones that are available.
We quoted LAREB itself which states on its website at the time we checked the data: “All reports received are checked for completeness and possible ambiguities. If necessary, additional information is requested from the reporting party and/or the treating doctor. If necessary, additional information is requested from the reporting party and/or the treating doctor. The report is entered into the database with all the necessary information. Side effects are coded according to the applicable (international) standards. Subsequently an individual assessment of the report is made. The reports are forwarded to the European database (Eudravigilance) and the database of the WHO Collaborating Centre for International Drug Monitoring in Uppsala. The registration holders are informed about the reports concerning their product.“).
We took this statement to mean that those reports that are obviously without any foundation are taken out such that the final data-base is at least reliable to some degree. Would it not be like that, why else would one want to collect these data and make them public in the first place?
We are happy to concede that the data we used – the large Israeli field study to gauge the number needed to vaccinate and the LAREB data to estimate side-effects and harms – are far from perfect, and we said so in our paper. But we did not use them incorrectly. We used imperfect data correctly. We are not responsible for the validity and correctness of the data, but for the correctness of the analysis. We contend that our analysis was correct. We agree with LAREB that their data is not good enough. But this is not our fault, nor can one deduce incorrect use of data or incorrect analysis.
And we hope that this stimulates governments or university consortia to collect valid data to prove us wrong. We would be the first to be happy about that. But the challenge is out: Prove that the vaccines are safe! No one has done so. We say they are not and we used the best data currently at hand. Our usage was correct. If the data were not, whose fault is this?
Die neuen RNA-Impfungen gegen COVID-19 werden als die beste Möglichkeit angesehen die Pandemie zu überwinden. Daher erhielten sie eine rasche Zulassung von der EMA, der europäischen Aufsichtsbehörde. Diese Zulassungen sind jedoch vorläufig und reine Notzulassungen. Denn es gibt noch zu wenig Daten über die Sicherheit dieser Impfstoffe. Eine solche Analyse wurde jetzt nachgereicht in einer Studie, die am 24. Juni 2021 online in der peer-reviewten Zeitschrift „Vaccines” publiziert wurde.
Prof. Harald Walach, Gastprofessor an der Universität Witten/Herdecke und Prof. an der Kinderklinik der Medizinischen Universität Poznan, Dr. Rainer Klement, ein Medizinphysiker vom Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt und Wouter Aukema, ein unabhängiger Datenanalytiker aus Holland analysierten die Daten der Nebenwirkungsdatenbank der EMA und der holländischen Gesundheitsbehörde. Sie verrechneten diese mit den Ergebnissen einer großen israelischen Feldstudie, die die Wirksamkeit des BioNTech Impfstoffes von Pfizer an mehr als einer Million Menschen untersuchte, sowie mit den Ergebnissen der Zulassungsstudien. Das Nebenwirkungspotenzial der Impfungen ist sehr hoch: 4,11 Todesfälle im Zusammenhang mit 100.000 Impfungen registriert die holländische Gesundheitsbehörde Lareb, etwa 700 Personen auf 100.000 Impfungen erleiden Nebenwirkungen, 16 davon sind schwere Nebenwirkungen.
„Das wären vielleicht hohe, aber akzeptable Kosten, wenn die Impfungen sehr viel mehr Leben retten könnten,“ sagt Prof. Walach, „aber das Problem ist eben, dass die hohe Effektivität der Impfung, die zweifellos belegt ist, nur eine relative Effektivität darstellt. Niemand betrachtet die absolute Effektivität, also die klinische Wirksamkeit”, meint Prof. Walach. Darunter verstehen wir den absoluten Wirksamkeitsunterschied. Dieser ist sehr gering bei dieser Impfung, und zwar aus zwei Gründen: Die Prävalenz der Infektion ist sehr niedrig, nämlich etwa 3% im Kontrollarm der israelischen Feldstudie. Auch bei uns war die Prävalenz der Infektion nie höher als 8% in Hochzeiten der Infektionswelle. Und die sog. „Infection-Fatality-Rate”, also die Anzahl der Menschen, die infiziert sind und an der Krankheit sterben, ist ebenfalls niedrig, etwa 0,5%. „Diese beiden Tatsachen zusammengenommen führen dazu, dass die absolute Effektivität der Impfung sehr gering ist, sodass man viele Menschen impfen muss, um einen tatsächlichen Vorteil erkennen zu können“, erklärt Dr. Rainer Klement, der die Vergleichsrechnungen durchführte.
Da die Impfungen mit Nebenwirkungen verbunden sind, werden auch relativ viele Geimpfte solche Nebenwirkungen erleiden und das Verhältnis steigt im Vergleich zu den Vorteilen. Aus der israelischen Feldstudie, bei der mehr als eine halbe Million in der Kontrollgruppe 6 Wochen lang ungeimpft blieben zogen die Forscher die entsprechenden Zahlen: „Man muss zwischen 9.000 und 50.000 Menschen impfen, um einen Todesfall zu verhindern“, sagt Klement. „Eine gute Schätzung ist die Zahl von etwa 16.000 Menschen. Rechnet man das auf 100.000 Impfungen hoch, dann verhindern wir etwa 6 Todesfälle.“
Wie vergleicht man das mit den Nebenwirkungen? Dazu hat Wouter Aukema, ein holländischer Datenanalytiker, die Nebenwirkungsdatenbank der EMA, der European Medicine Agency, untersucht. Dort werden alle Nebenwirkungen aller europäischen Länder verzeichnet. Um sie genau analysieren zu können, schrieb er ein Analyseskript, das er auf seiner Webseite https://www.aukema.org öffentlich zugänglich machte. Denn die Meldungen in dieser Datenbank sind lange Texteinträge und oft beziehen sich viele Einträge auf eine Person. Daher analysierte er diese Meldungen auf Personen bezogen und filterte heraus, wie viele Menschen tödliche, schwere oder leichte Nebenwirkungen erlebten. „Die europäischen Länder melden sehr unterschiedlich“, fand Aukema. „Der europäische Durchschnitt liegt bei 127 Nebenwirkungen pro 100.000 Impfungen. Holland ist der Spitzenreiter mit 701 Fällen pro 100.000 Impfungen, Polen ist das Schlusslicht mit 15 Nebenwirkungen pro 100.000 Impfungen. Deutschland berichtet nur 38 Fälle, also 30% des EU-Durschnitts.”
Aus diesem Grunde entschieden sich die Forscher dafür, die holländischen Daten als Grundlage ihrer Berechnung zu nehmen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Unterschiede auf eine unterschiedliche Empfindlichkeit zurückgehen, ist sehr gering. Eher sind verschiedene Berichtsstandards der Grund für diese Diskrepanz um den Faktor 47.
Nimmt man nun die holländischen Daten als Näherung für das, was in ganz Europa geschieht, dann sieht man, dass das Verhältnis von Todesfällen, die im Zusammenhang mit der Impfung erwartet werden können und die durch die Impfung verhindert werden etwa 2 : 3 ist: Drei Todesfälle werden verhindert, zwei wird man in Kauf nehmen müssen als Folge der Nebenwirkungen, dazu 700 Nebenwirkungen, 16 davon schwere. Nimmt man die Daten der Zulassungsstudien hinzu, die etwas bessere klinische Effektivität zeigen, dann erhält man im besten Fall das Verhältnis von 1 : 8, also ein Todesfall im Zusammenhang mit der Impfung und 8 verhinderte Todesfälle durch die Impfung.
„Diese Zahlen können sich natürlich ändern“, gibt Walach zu bedenken. „Sie hängen von der Empfindlichkeit der geimpften Gruppen ab. Denn zuerst wurden ja die Alten und Kranken geimpft. Man kann hoffen, dass sich das Verhältnis verbessert, wenn man länger beobachtet.“ Auch ist unklar, ob die Daten, die aus einer Feldstudie des BioNtech-Impfstoffes stammen, auf die anderen Impfstoffe direkt übertragbar sind. Denn der AstraZeneca-Impfstoff ist in dieser Analyse nicht mit-erfasst, weil zu ihm entsprechende Daten fehlten.
„Aber insgesamt,” meint Dr. Klement, „sind aus unserer Sicht die Daten ausreichend klar, dass wir die Nebenwirkungen sehr genau untersuchen sollten und die Impfpolitik auf europäischer Ebene unter die Lupe nehmen sollten.“ Prof. Walach unterstützt diese Aussagen: „Auf nationaler Ebene sollten Gruppen von unabhängigen Wissenschaftlern diese Nebenwirkungsmeldungen genau untersuchen. Sie sollten auch in unabhängigen Studien, in denen große Kohorten von Geimpften sorgfältig über 6 Wochen oder länger beobachtet werden, dokumentieren, wie viele Nebenwirkungen wirklich auftreten“, meint Walach. „Denn die Daten aus den Registern sind unsystematisch. Sie können eine Überschätzung darstellen, sind aber wohl eher eine Unterschätzung. Denn man weiß aus anderen Studien, dass bis zu 95% der Nebenwirkungen nicht in diesen Registern erfasst werden.“ Sind die Befunde dieser Studie zuverlässig? “Das ist schwer zu sagen,” meint Walach. “Wir haben die besten Daten verwendet, die im Moment zur Verfügung stehen. Aber sie sind eigentlich nicht gut genug. Die Tatsache, dass eine ähnliche Studie in den USA auf eine Schätzung 3,4 Todesfällen auf 100.000 Impfungen kommt, also eine Zahl, die sehr nahe bei der von uns gefundenen Zahl von 4,11 ist, zeigt allerdings, dass unsere Schätzung wohl näher an der Wirklichkeit ist, als uns allen lieb ist.“
„Auf jeden Fall sollten wir keine Impfkampagnen an Kindern beginnen“, argumentieren Walach und Klement. „Denn die Gefahr, dass ein Kind ernsthaft an COVID-19 erkrankt ist, ist sehr gering – , geringer, als dass es in einem Verkehrsunfall ums Leben kommt. Angesichts dieser Risiken, ist eine Impfung von Kindern unverantwortlich.“
Walach, H., Klement, R. J., & Aukema, W. (2021). The safety of Covid-19 vaccines – We should rethink the policy. Vaccines, 9, 693. doi:10.3390/vaccines9070693