Die Paleo Convention 2016

Zwar ist die Paleo-Convention in Berlin, das größte Paleo-Event Europas, jetzt auch schon wieder über einen Monat her. Da das aber nichts ist im Vergleich zu der Zeit seit meinem letzten Blog-Beitrag, dachte ich mir: eine gute Gelegenheit mal wieder einen solchen zu schreiben.

Es ist schon krass was Leon Benedens und Paul Seelhorst innerhalb von 1-2 Jahren da auf die Beine gestellt haben. Ich erinnere mich noch gut an das erste Zusammentreffen mit den beiden bei der fränkischen Schlachtschüssel vom Bio-Schwein in Geldersheim bei Schweinfurt, die im Rahmen der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Paläoernährung (DGPE) nach deren 2. Symposium im November 2014 stattfand. Damals erzählten sie von ihrer Idee, eine große Convention nach dem Vorbild der amerikanischen Paleo FX in Berlin auszurichten und baten um Unterstützung seitens der DGPE. Eine Weile war ich sehr skeptisch bezüglich der Größe des Vorhabens, nicht zuletzt da ich wusste wie schwierig es ist, Sponsoren allein für eine eintägige Konferenz zu diesem Thema heranzubekommen.

Trotzdem wurde die Paleo Convention 2015 ein Megagroßes Event, wenn auch mit einigen offensichtlichen Fehlplanungen wie zum Beispiel dem akustisch sehr schlechten Vortragsgebäude mit einem Tontechniker, der mehr mit Rauchenund Trinken beschäftigt war, als sich um die Tonqualität und Technik zu kümmern. 2016 hatten die beiden Jungs Leon und Paul offensichtlich aus diesen Fehlern gelernt, denn mit dem Postbahnhof stand eine deutlich bessere Lokation bezüglich der Ausstellungs- und Vortragsflächen zur Verfügung. Einziger Kritikpunkt meinerseits ist das Konzept, teilweise drei Vorträge und einen Workshop gleichzeitig abzuhalten, was zumindest in mir ständig den Zwiespalt erzeugte, welchen Vortrag ich besuchen sollte. Dazu kam ein ständiger Druck, nichts zu verpassen, so dass ich mich öfter in sehr guten Gesprächen dabei ertappte, wie ich in Gedanken schon bei der Startzeit des nächsten Vortrags oder einem Ausstellungsstand, den ich noch besuchen wollte, war. Hier würde ich mir für das nächste Jahr weniger Masse bei der gleichen Klasse von Vorträgen und mehr „Freizeit“ ohne Programm wünschen. Ohne Wahl auch keine Qual.

Es liegt mir noch am Herzen zu erwähnen, dass während der Convention ein großes Gemeinschaftsgefühl aufkam, das man durchaus als „weltverbesserisch“ bezeichnen könnte. In der Tat glaube ich, dass die Paläobewegung wie keine andere das Potential hat, der Gesellschaft eine logische und nachhaltige Option für die Bewältigung gesundheitlicher und die Umwelt betreffender Probleme des „Anthropozäns“ zu bieten [1]. Auch die vielen kleinen Firmen und Handwerksbetriebe, die auf der Convention vertreten waren, sind ein exzellentes Beispiel dafür, welch hoher Wert auf Nachhaltigkeit und Qualität in diesen Kleinunternehmen gelegt wird, in krassem Kontrast zu großen Konzernen, die oftmals für jede beliebige Anforderung zu den günstigsten Bedingungen zu produzieren versuchen und entsprechend qualitativen Schrott anbieten (schön beschrieben in dem Kapitel The Antifragility and Ethics of (Large) Corporations aus dem Meisterwerk Antifragile von Nassim N. Taleb [2]). So habe ich mich guten Gewissens mit Wachteleieiern, Paleo Jerky und Wildgulasch für meinen Vorrat im Büro auf der Arbeit eingedeckt, bevor ich mit viel neuer „Steinzeit in den Knochen“ den Heimweg angetreten bin.

  1. Klement RJ, Gonder U, Orsó E, Paul S, Schilling F, Spitz J. Proceedings of the 2nd annual symposium of the German Society for Paleo Nutrition held in 2014. J Evo Health. 2014;1: 6.
  2. Taleb NN. Antifragile: Things that gain from disorder. 1st ed. New York: Random House LLC; 2014.