Buchrezension: „Mut zum Widerspruch“

Als Jesus in einer der Städte war, kam ein Mann, der am ganzen Körper Aussatz hatte. Sobald er Jesus sah, warf er sich vor ihm zu Boden und bat ihn: Herr, wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Da streckte Jesus die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es – werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz. Lk 5, 12-13

Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Mk 4,40

An diese beiden Stellen aus der Bibel musste ich während der sogenannten Corona-Pandemie oft denken, denn sie zeigen meiner Meinung nach eindeutig, was Jesus während dieser Zeit im Unterschied zu einem Großteil der Bevölkerung gemacht hätte: nicht mit! Doch wer nicht mitmachte bei dem Einhalten von (grundgesetzwidrigen) Kontaktverboten, dem Tragen von (in den meisten Situationen sinnbefreiten) Masken, und der allgemeinen Bereitschaft zu (ebenfalls sinnlosen) Massentests und Massenimpfungen, der erfuhr in vielen Fällen mehr oder weniger starke Repressalien.

Ähnliches galt bereits für die, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung gebrauchten und sich einfach nur kritisch gegenüber all diesen Maßnahmen äußerten. Einige traf es besonders hart – sie verloren ihre Anstellung, Reputation, wichtige soziale Beziehungen und/oder finanziellen Mittel. In dem Ende 2025 erschienenen Buch „Mut zum Widerspruch. Dissidenten der Alternativlosigkeit berichten“ sind einige dieser Fälle gesammelt [1]. Das Buch ist das erste von der neu gegründeten discorso Verlagsgenossenschaft herausgegebene Buch und – um es gleich vorwegzunehmen – es ist ein gelungenes Debüt mit dem Potenzial, ein wichtiges Zeitdokument insbesondere für die Sozialforschung zu werden.

Das Buch beinhaltet 400 Seiten und besteht dabei vor allem aus insgesamt 15 persönlichen Erlebnisgeschichten von Menschen aus dem universitären, medizinischen, staatlichen oder kirchlichen Bereich, die sich einzeln in ca. 30-60 Minuten durchlesen lassen. Der Schwerpunkt bei der Auswahl der Autoren lag dabei klar auf habilitierten Wissenschaftlern, was auch auf die Herausgeber (Wolgang Stölzle und Günter Roth) und die beiden Forscherinnen Heike Egner und Anke Uhlenwinkel zutrifft, die im letzten Kapitel des Buches eine Reflexion der 15 persönlichen Geschichten anstellen und dabei ihre eigenen Forschungserkenntnisse zu den politisch motivierten Entlassungen von Professorinnen und Professoren während der Coronazeit einfließen lassen [2].

Dieser Schwerpunkt auf die persönlichen Erlebnisse von Professorinnen und Professoren ist deshalb nachvollziehbar, könnte die potenzielle Leserschaft des Buches aber einschränken. Auch bei der Auswahl der kritischen Vertreter aus der Wissenschaft stellt man ein Ungleichgewicht fest, denn die Geisteswissenschaften sind überproportional häufig vertreten, während aus dem Bereich der Naturwissenschaften kein einziger Vertreter als Autor vorkommt – ob das daran liegt, dass dem Corona-Narrativ gegenüber kritisch eingestellte Naturwissenschaftler nur selten von stärkeren Repressalien betroffen waren, weiß ich nicht. Damit sehe ich die potenzielle Leserschaft vor allem bei Sozial-, Politik- und anderen Geisteswissenschaftlern, aber grundsätzlich auch allen Menschen, die während der Coronazeit den Maßnahmen und der offiziellen Berichterstattung kritisch gegenüberstanden.

Diejenigen, welche bis heute noch nicht verstanden haben, dass die sogenannte Corona-Pandemie geplant war, um möglichst viele Menschen mit einer experimentellen Gentherapie zu „impfen“ und letztlich dem Krieg einer kleinen technokratischen Elite gegen die globale Bevölkerung entsprach [3–5], würden zwar besonders von der Lektüre dieses Buches profitieren, werden sich aber wohl kaum dafür öffnen, um ihr Weltbild zu bewahren.

Wenn man von den vielleicht verzerrten Auswahlkriterien der Autoren absieht und sich unvoreingenommen auf alle Berichte einlässt, wird einem beim Lesen nicht langweilig. Denn die Einzelschicksale sind zum einen sehr variantenreich geschildert, zum anderen auch spannend zu lesen – spannend deshalb, weil jede Geschichte nicht nur teils sehr tiefe persönliche Einblicke in die Privatsphäre und Gefühlswelt der Autoren bietet, sondern auch oft überraschende Wendepunkte, die leider oft nicht zugunsten der einzelnen Autoren verliefen.

Spätestens mit der Lektüre dieses Buches dürfte jedem Leser klarwerden: Die Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz haben in der bzw. seit der Coronazeit ganz offen autoritäre, totalitäre und faschistische Züge angenommen, wie Prof. Dr. Günter Roth, einer der beiden Herausgeber des Buches, in seinem einleitenden Kapitel durch einen Rückblick auf diese Zeit darstellt. Auch andere Wissenschaftler betonten bereits das autoritäre Verhalten von Staaten während der Coronazeit und insbesondere das breite Versagen von Sozialwissenschaftlern und der „kritischen Linken“, auf diese Missstände hinzuweisen [6].

Demnach ist auch der Untertitel gerechtfertigt, denn laut Politiklexikon versteht man unter Dissidenten solche Personen, „die eine vorgegebene politische oder religiöse Ordnung infrage stellen, von ihr abweichen oder ihr widersprechen; [der Begriff] wird v. a. für politische Gegner in autoritären und diktatorischen Regimen verwendet“ [7]. Nach Günter Roth’s Einleitung folgen drei Kapitel, welche die Einzelgeschichten von 15 Persönlichkeiten erzählen: Kapitel 2 namens „Widerspruch in der Wissenschaft“, Kapitel 3 namens „Widerspruch in der Medizin“ und Kapitel 4 namens „Widerspruch in Staat und Kirche“. Im 5. Kapitel namens „Wer – Was – Wie – Warum“ begeben sich die beiden Wissenschaftlerinnen Heike Egner und Anke Uhlenwinkel wie bereits erwähnt auf eine Spurensuche nach den „Kernelementen und Strukturen, die neben allen Unterschieden der einzelnen Biographien und Persönlichkeiten Gemeinsamkeiten offenbaren“ [1, Seite 373].

Das zweite Kapitel beinhaltet sechs Einzelschicksale von Wissenschaftlern, die Zweifel an dem Corona-Narrativ oder anderen Narrativen, die in einem autoritären System eben nicht infrage gestellt werden dürfen, geäußert hatten. Im Einzelnen handelt es sich um die Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Alessandra Asteriti, den Historiker Dr. Daniele Ganser, den Medienforscher Prof. Dr. Michael Meyen, die Politikforscherin Dr. Ulrike Guérot, und die beiden Wirtschaftswissenschaftler Enno Schmidt und Dr. Wolfgang Stölzle, seines Zeichens auch Mitherausgeber dieses Buches.

Ihre Geschichten zeigen, dass sich universitär Angestellte offenbar nicht erlauben können, sich öffentlich (z.B. in sozialen Medien oder Blogs) oder wissenschaftlich zu kritischen Themen zu äußern, die nur eine offiziell von der Regierung genehmigte Sichtweise erlauben. Die Fälle offenbaren ein gemeinsames Muster. Fast immer gab es einen oder mehrere Journalisten, welche – teilweise durch Denunzianten angestachelt – die jeweilige Persönlichkeit in Zeitungsartikeln in ein schlechtes Licht rückt. Das geschieht, wie es Ortwin Rosner in seiner Schilderung des Falls Guérot (dem einzigen Fall, der nicht primär aus der Ich-Perspektive erzählt wird) herausstreicht, durch Verwirrung von Begriffen:

Traditionelle Machtkritik oder wissenschaftlich neugieriges Hinterfragen werden als Verschwörungstheorien, legitime Kritik an der Politik Israels oder das Sprechen auf einer Coronademonstration werden als Antisemitismus und das Wahrnehmen faschistoider Strukturen wird als Verharmlosung des Nationalsozialismus ausgelegt [1, Seite 115]. Die Wirkung solcher Zeitungsartikel war in den geschilderten Fällen stets eine Isolation innerhalb der eigenen Universität und des erweiterten Forschungsnetzwerks, nicht selten sogar die Kündigung oder Nicht-Verlängerung der Anstellung.

Ein weiteres Instrument, mit dem einem offenen wissenschaftlichen Diskurs geschadet wird, wird in Kapitel 3 („Widerspruch in der Medizin“) von Prof. Dr. Dr. Harald Walach geschildert, der eigentlich auch in das 2. Kapitel gepasst hätte. Er beschreibt zwei Fälle von politisch motivierten Zensuren von bereits begutachteten und publizierten Fachartikeln, die ohne eine rechtfertigende Begründung erfolgten. Bei einem dieser Artikel war ich selbst Koautor [8] und wir konnten den Artikel nach nochmaliger Begutachtung in einem anderen Journal erneut publizieren [9]. Auch Walach erlitt die Ächtung seiner Universitäten aufgrund von in den sozialen Medien erzeugten Druck und verlor seine Anstellung an der medizinischen Universität Poznan sowie seine Gastprofessur an der Universität Witten-Herdecke.

Wir haben diese Erlebnisse und was sie über die Verstrickungen von Wissenschaft, Konzernen und Medien aussagen später in einem anderen Artikel in der Fachzeitschrift Journal of Scientific Exploration verarbeitet [10]. Daneben schildern in Kapitel 3 vier Ärzte ihre Erlebnisse während der Coronazeit. Die beiden Landärzte Dr. Andreas Heisler und Dr. Carola Javid-Kistel widersetzten sich den Vorgaben, Patienten nur mit Maske zu behandeln, nahmen an Corona-Demonstrationen teil und engagierten sich gegen die Massenimpfungen der Bevölkerung, was in beiden Fällen stärkste Repressalien zur Folge hatte. Beide wurden in Zeitungsartikeln diffamiert, beide mussten Razzien in ihren Praxen erdulden, beiden wurde die Praxis auch geschlossen und beide erhielten Bußgelder und mussten vor Gericht. Dr. Javid-Kistel musste sogar ins Gefängnis und schildert, wie diese Demütigungen sie gesundheitlich ruiniert haben und ins Exil nach Mexiko zwangen.

Auch die ebenfalls wissenschaftlich tätigen Ärzte Univ.-Prof. Dr. Dr. Christian Schubert und Dr. Andreas Sönnichsen engagierten sich öffentlich in Sachen Corona-Aufklärung und Maßnahmenkritik, was bei Prof. Schubert zu einer Ermahnung, bei Dr. Sönnichsen zu einer Kündigung seitens der Universität führte.

In Kapitel 4 erfährt man dann („Widerspruch in Staat und Kirche“), wie auch Soldaten, Beamte, Richter und Pfarrer bestraft werden können, wenn sie nicht „in der Spur“ laufen. Dazu dienen die Geschichten von jeweils einem Vertreter dieser Berufsgruppen:

Der Soldat Alexander Bittner, der sich dem Befehlt widersetzte, sich die sogenannte Corona-Impfung spritzen zu lassen; der Richter Christian Dettmar, der das berühmte Urteil von Weimar fällte und daraufhin wie ein Verbrecher mit Hausdurchsuchungen und Verurteilung zu 2 Jahren Gefängnis auf Bewährung bestraft wurde; der Beamte Lucian Michaelis, der für seine Teilnahme an Coronademonstrationen mit einem Disziplinarverfahren, Versetzung an einen weit entfernten Dienstort und schließlich der Entlassung bestraft wurde; und schließlich der evangelische Pfarrer Martin Michaelis, der mit viel Humor schildert, wie man innerhalb der Kirche gegen jemanden vorgeht, der sich in einer Krise an seine Vorbilder Jesus und Martin Luther anstelle von antichristlichen Regierungsvorgaben hält.

Im fünften und letzten Kapitel gehen Heike Egner und Anke Uhlenwinkel nochmals auf Gemeinsamkeiten der in dem Buch vorgestellten Fälle, insbesondere aus der Wissenschaft, ein und stellen dabei fest, dass das Vergehen in allen Fällen daraus bestand, den Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis zu folgen. Diese lässt sich durch drei Merkmale kennzeichnen: (i) Realitätsbezug; (ii) Rückgriff auf bereits vorhandenes Wissen; (iii) differenziertes Denken.

Wiederum muss man hier fragen, warum nicht viel mehr Wissenschaftler sich dieser etablierten Prinzipien bedient haben, was zwangsläufig zu einer Infragestellung der Coronamaßnahmen hätte führen müssen [6]. Denn die angebliche wissenschaftliche Fundiertheit dieser Maßnahmen entsprang eher einem Fundamentalismus im Sinne von Wissenschaft als Kult oder Pseudo-Religion, was man tatsächlich auch als Szientismus bezeichnet [11].

Ein Kennzeichen einer solch falsch verstandenen Wissenschaft ist auch eine eingeschränkte, reduktionistische Denk- und Sichtweise, die nur einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit beleuchtet [12,13]. Selbst wenn vielen Wissenschaftlern und anderen Menschen dieser Reduktionismus, die Irrationalität und Realitätsferne der Coronamaßnahmen aufgefallen sein sollte – warum hat der Großteil (mal wieder) geschwiegen? Dies ist wohl die Kernfrage, die in diesem Buch adressiert und zusammenfassend so beantwortet wird, dass die Hauptgemeinsamkeit aller vertretenen Autoren in einem inneren Kompass besteht, der es erlaubt, kritisch zu denken und richtig von falsch zu unterscheiden.

Dieser innere Kompass kann durch „regelmässige Praxis der Innerlichkeit“ gestärkt werden, wie es Harald Walach auf Seite 280 ausdrückt, kann aber auch durch fehlende Motivation, Betäubung und Ablenkung durch permanenten Konsum von Nachrichten, Neuigkeiten, Junk Food oder Drogen sowie – und hier wären wir wieder bei den einleitenden Worten Jesu – durch Angst außer Kraft gesetzt werden. Und das ist die wichtigste Botschaft, die das Buch Mut zum Widerspruch vermittelt:

Es lohnt sich, mutig für seine Überzeugungen einzutreten, denn in jeder einzelnen persönlichen Geschichte wird am Ende deutlich: wo äußere Umstände gegen einen bewussten Menschen arbeiten, entstehen persönliches Wachstum, neue Verbindungen und viele positive Möglichkeiten. Habt also keine Angst!

(Dieser Artikel erschien auch bei apolut [14])

Quellen

[1] Stölzle W, Roth G, Hrsg. Mut zum Widerspruch. Dissidenten der Alternativlosigkeit berichten. 1. Aufl. Basel: discorso Verlagsgenossenschaft; 2025

[2] Egner H, Uhlenwinkel A. Wer stört, muss weg! Die Entfernung kritischer Professoren aus Universitäten. 1. Aufl. Neu-Isenburg: Westend

[3] Kyrie V, Broudy D. Cyborgs R Us: The Bio-Nano Panopticon of Injected Bodies? Int J Vaccine Theory, Pract Res 2022; 2: 355–383. doi:10.56098/ijvtpr.v2i2.49

[4] Röper T. Inside Corona. Die Pandemie, das Netzwerk & die Hintermänner. 3. Aufl. Gelnhausen Hailer, Germany: J.K.Fisher-Verlag; 2022

[5] Hughes DA. “Covid-19,” Psychological Operations, and the War for Technocracy. 1. Aufl. Cham, Switzerland: Palgrave Macmillan; 2024

[6] Simandan D, Rinner C, Capurri V. The academic left, human geography, and the rise of authoritarianism during the COVID-19 pandemic. Geogr Ann Ser B, Hum Geogr 2023; doi:10.1080/04353684.2023.2168560

[7] Bundeszentrale für politische Bildung. Das Politiklexikon. Dissidenten. Im Internet: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/296306/dissienten/; Stand: 26.01.2026

[8] Walach H, Klement RJ, Aukema W. Retracted: The Safety of COVID-19 Vaccinations — We Should Rethink the Policy. Vaccines 2021; 9: 693. doi:10.3390/vaccines9070693

[9] Walach H, Klement RJ, Aukema W. The safety of Covid-19 vaccinations — should we rethink the policy? Sci Pub Health Pol Law 2021; 3: 87–99

[10] Walach H, Klement RJ. Medicine, money, and media: A case study of how the Covid-19 crisis corrupts disclosure and publishing ethics. J Sci Explor 2024; 38: 122–137. doi:10.31275/20243249

[11] Milgrom LR. Against Scientism: Corrupted Science and the Fight for Medicine’s Soul. Complement Med Res 2021; 28: 56–63. doi:10.1159/000510229

[12] Klement RJ. Die Angst-Kampagne. Rubikon 2020; Im Internet: https://www.manova.news/artikel/die-angst-kampagne

[13] Klement RJ. The SARS-CoV-2 crisis: A crisis of reductionism? Public Health 2020; 185: 70–71. doi:10.1016/j.puhe.2020.06.019

[14] Klement RJ. Buchrezension: „Mut zum Widerspruch“. apolut 2026; Im Internet: https://apolut.net/buchrezension-mut-zum-widerspruch-von-rainer-johannes-klement/; Stand: 29.01.2026

Keto-Hotspot Unterfranken

Im November 2022 erschien in Frontiers in Nutrition eine chinesische Studie, die die bibliometrischen Daten zu allen Publikationen mit dem Thema „Ketogene Diät und Krebs“ analysierte [1]. Eingeschlossen wurden insgesamt 500 Publikationen, die zwischen 1. Januar 2012 und 31. Dezember 2021 veröffentlicht wurden. Die Ergebnisse haben mich positiv überrascht, denn offenbar ist Schweinfurt ein weltweiter Hotspot was die Forschung zu diesem Thema betrifft.

Zunächst einmal sieht man aus untenstehender Abbildung (übernommen aus [1]) , wie sich die jährliche Zahl der Publikationen zu „Keto und Krebs“ seit 2012 entwickelt hat (A), und dass die Häufigkeit mit der solche Artikel von anderen zitiert werden, über die Jahre zunahm (B). Insgesamt bezeugen die Trends ein steigendes Interesse an dem Thema in der Wissenschaft.

Dann die freudige Überraschung: Die Analyse zeigt, dass meine Arbeiten zu dem Thema zu den zweithäufigsten und zweitmeist zitierten weltweit gehören. Nur Tom Seyfried hat mehr zu „Keto und Krebs“ publiziert. Auch PD Dr. Reinhart Sweeney, Leiter der Klinik für Strahlentherapie Schweinfurt, hat es in die Top 10 der Autoren auf Platz 5 geschafft.

Entsprechend rangiert das Leopoldina Krankenhaus weltweit auf Platz 8 was die Zahl der Publikationen zu „Keto und Krebs“ betrifft. An erster Stelle steht die Harvard Universität, gefolgt vom Boston College und dem Pennsylvania Commonwealth System of Higher Education, einem Verbund von vier Universitäten des US-Staates Pennsylvania.

Wahrscheinlich hätte es auch die Uniklinik Würzburg mit Prof. Dr. Ulrike Kämmerer in die Top 10 geschafft, wenn Li et al. [1] noch das Jahr 2011 berücksichtigt hätten. Damals erschienen nämlich zwei wichtige und vielzitierte Arbeiten: zum einen der weltweit erste Übersichtsartikel zu dem Thema „Keto und Krebs“, den Uli Kämmerer und ich bei Nutrition and Metabolism veröffentlicht hatten [2] und der – Stand 22.03.2023 – laut Google Scholar 293mal, laut Scopus 143mal zitiert wurde; zum anderen der relativ zeitgleich im selben Journal erschienene Artikel, der die Ergebnisse einer Pilotstudie von Uli Kämmerer und ihrem Team zusammenfasste, in der die Lebensqualität von fortgeschrittenen Krebspatienten unter einer ketogenen Diät untersucht wurde [3]; diese Studie wurde bis jetzt 371mal (laut Google Scholar) bzw. 181mal (laut Scopus) zitiert!

Etwas stolz können wir also die Region Würzburg-Schweinfurt als weltweites Forschungszentrum zu ketogener Diät und Krebs bezeichnen, was auch zu dem guten Abschneiden Deutschlands im Ländervergleich beigetragen hat (Deutschland auf Platz 2 hinter den USA und gefolgt von Italien) [1]. In Zukunft sieht es allerdings so aus, dass die Chinesen, die zum Zeitpunkt der Analyse auf Platz 4 rangierten,  bald Deutschland überholen könnten, denn ihr wissenschaftlicher Output auch zu diesem Thema steigt enorm.

[1]         Li R, Huang Q, Ye C, Wu C, Luo N, Lu Y, et al. Bibliometric and visual analysis in the field of ketogenic diet on cancer from 2012 to 2021. Front Nutr 2022;9:1060436.

[2]         Klement RJ, Kämmerer U. Is there a role for carbohydrate restriction in the treatment and prevention of cancer? Nutr Metab (Lond) 2011;8:75. doi:10.1186/1743-7075-8-75.

[3]         Schmidt M, Pfetzer N, Schwab M, Strauss I, Kämmerer U. Effects of a ketogenic diet on the quality of life in 16 patients with advanced cancer: A pilot trial. Nutr Metab (Lond) 2011;8:54.

It's carnivore week!

This Monday, October 24, 2022, my new paper dealing with the necessity for carbohydrates in the Neanderthal diet was published by the American Journal of Biological Anthropology . The paper was motivated by a preceding paper from Hardy et al. in which the authors claimed that Neanderthals had to consume at least 50% of their calories from plant carbohydrates. Hardy et al. mainly relied on modern dietary guidelines and a putative need for high carbohydrate intake in pregnant/breastfeeding women and athletes to support their claim, which, as I argue in my paper, are highly questionable arguments. Instead, I make the point that Neanderthals might well have been hypercarnivores (deriving >70% energy from animals) with a metabolism adapted towards low carbohydrate intake and ketosis. In my paper, I also present data of a male rugby player who went on an exclusively carnivore diet for four months without detrimental effects on his athletic performance. The paper is available free of charge here: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/ajpa.24643

Just one day later, a new paper in the Proceedings of the National Academy of Sciences of the U.S.A. appeared which further confirmed my arguments by analyzing various isotope ratios in tooth enamel from a Neanderthal individual found in Spain. In particular, these authors for the first time used the zinc isotope ratio (66Zn/64Zn = δ66Zn) in a Neanderthal individual and found that it was consistent with this individual having been a hypercarnivore on top of the food chain. The paper is also freely available here: https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.2109315119

Another day later, Dr. Shawn Baker announced the initiation of a study that examines how the carnivore diet has helped people come off medications and heal from chronic diseases. The study aims to track the health conditions before and after implementing the carnivore diet based on the real world medical claims and medications. To participate in the study, you could click here. https://revero.questionpro.com/a/TakeSurvey?tt=i3%2BmA1FC7AwECHrPeIW9eQ%3D%3D

Finally, on the next day, another new paper was indexed in Pubmed describing the long-term therapeutic management of Candida vulvovaginitis and vulvar hidradenitis suppurativa in a woman during a 47 months meat-only diet. Vulvovaginal candidiasis is typically a result of a disturbance in the patient's microbial ecosystem, which manifests itself by intense pruritus, erythema, swelling, and thick white vaginal discharge, and the symptoms ceased already after 43 days on the diet. This paper is also freely available and you can access it here:  https://www.cureus.com/articles/119195-consuming-an-all-meat-ketogenic-diet-for-the-long-term-management-of-candida-vulvovaginitis-and-vaginal-hidradenitis-suppurativa-a-47-month-follow-up-case-report

These publications and the new carnivore study are good steps in the right direction, since we urgently need a better understanding about the evolutionary roots of human carnivory and its health benefits.

Seven suggestions for a healthy life

I just finsihed a nice podcast interview with Dr. Shawn Baker, himself being a physician, athlete and author of the book The Carnivore Diet. About the end he asked me for some personal tips that would from my view reduce the chance of getting cancer. I named four important points, which I think are essential: Reduction of chronic stress, an appropriate diet, physical activity and social interactions with other humans. After the interview three more points immediately came to my mind, so that I will list here my seven suggestions helping to avoinde cancer and live a healthy life in general:

  1. Gratitude: Be thankful even for the small things in life, because nothing can be taken for granted. If something bad happens to you, the following magical sentence from Viktor Philippi can help: "Thank god it's like that and not worse." Indeed, almot any situation could be worse.
  2. Reduction of chronic stress: The same situation can cause two distinct perceptions of stress in two different individuals. Therefore one should learn to change ones thought patterns in such a way that chronic stress cannot emerge in the first place. Again, the sentence "Thank god it's like that and not worse" is helpful. Meditation is also a great tool to avoid chronic stress.
  3. An appropriate diet. As-far-as-possible reductions of industrial sugar and grains are the most significant measures. But never should one castigate oneself (over longer time) - it is fully okay to allow oneself certain foods from time to time if one misses them. This could be a piece of cake together with coffee on a Sunday or even the famous cheat day.
  4. Physical activity: The most important aspect is not which type of activity one should engage with, but that someone engages with physical activity! The optimal lifelong activity pattern would include both strength and endurcane training.
  5. Connecting with Nature: One should expose oneself to Nature as often as possible; consciously connecting with Nature is also important, such as "grounding" ("earthing") by walking barefoot or developing a spiritual conncetion.
  6. Connecting with lovely people: One should learn to spend a lot of time with other people that benefit one's mood, while reducing time with individuals causing discomfort as far as possible, but without separating oneself from the latter. Be aware that every human being is a member of the human family. Try to forgive those who hurt you even if it takes a lot of time and effort.
  7. Connceting with God, whatever you understand under that name (without explicitly referring to a religious god). This includes some sort of trust in life, love and charity with all other beings and all points listed above, being fully aware about what benefits us as a human being.

Offener Brief von Wissenschaftlern gegen Impfpflicht

Eine Impfpflicht mit Covid-19 Vakzinen ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand rechtlich und ethisch nicht begründbar.

Die von Befürwortern einer allgemeinen Impfpflicht vertretene Auffassung, dass die kollektive Impfung in der gegenwärtigen Situation alternativlos sei, ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand unhaltbar. Es gibt keine den üblichen Standards folgenden wissenschaftlichen Daten, die belegen, dass die Impfung für jede Bürgerin, jeden Bürger unabhängig von Alter, Geschlecht, Vorerkrankungen oder anderen Faktoren mehr Nutzen als Schaden stiftet.

Weder liegen hierzu die üblicherweise in Zulassungsverfahren geforderten Daten aus randomisierten kontrollierten Studien noch aus epidemiologischen Kohorten mit hinreichender Qualität vor. Für große Gruppen der Bevölkerung gibt es überhaupt keine Evidenz für einen Nutzen, z.B. für gesunde Kinder und junge Erwachsene oder für Schwangere im ersten Drittel der Schwangerschaft. Dagegen ist ein Schaden nicht auszuschließen, sondern ist mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit sogar anzunehmen. Solche Gruppen zur Impfung zu nötigen, heißt von ihnen zu fordern, dass sie eine Körperverletzung hinnehmen. Die Frage, ob eine Impfung für eine konkrete Person sinnvoll ist oder nicht, verbleibt eine individuelle Entscheidung, die ggfs. nach Rücksprache mit einer Ärztin/Arzt des Vertrauens von jeder Bürgerin und jedem Bürger, bzw. von Eltern in eigener Verantwortung beantwortet werden muss. Die immer wieder postulierte »Notlage« ist hypothetisch und muss nach fast zwei Jahren in einem der bestentwickelten Gesundheitssysteme der Welt als unrealistisch betrachtet werden. Die scheinbare Begründung einer solchen Notlage durch mathematische Modelle führt in die Irre. Sofern trotz der in Deutschland verfügbaren Kapazitäten Versorgungsprobleme auftreten, ist vielmehr nach der politischen und organisatorischen Verantwortung zu fragen.

Dem Staat fehlt nach dem Vorgesagten jegliche wissenschaftliche, rechtliche und ethische Legitimation, sich über den Willen von Bürgerinnen und Bürgern hinwegzusetzen.

Neben der allgemeinen Impfpflicht wird die Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie Krankenhauspersonal, Beschäftigte in der Pflege etc. unter dem Gesichtspunkt eines erhöhten Schutzbedarfs vulnerabler Gruppen diskutiert. Die bisherigen Erfahrungen in der Bundesrepublik zeigen, dass nach einer gewissen Einschwingzeit am Anfang der Pandemie die professionelle Hygiene dieser Berufsgruppen ausreichend ist, Ausbrüche weitestgehend zu verhindern. Eine generelle Impfpflicht in diesen Berufsgruppen muss somit als unverhältnismäßig angesehen werden, auch und gerade vor dem Hintergrund einer Infizierbarkeit durch Geimpfte. Ein konsequenter Infektionsschutz erfordert bei entsprechender epidemischer Lage die Testung des Personals unabhängig von dessen Immunstatus, womit der Zusatznutzen der Impfung fraglich wird und eine Impfpflicht nicht gerechtfertigt werden kann.

Auch in dieser Situation hat der Staat nicht das Recht, die individuelle Entscheidung über die Impfung vorzuschreiben, da es niederschwellige Maßnahmen gibt, die den gleichen Zweck erfüllen.

Die Unterzeichner

Prof. Dr. Karl-Heinz Jöckel, Essen
Prof. Dr. Ulrich Keil, Münster
Dr. Angela Spelsberg, Aachen
Prof. Dr. Andreas Schnepf, Tübingen
Prof. Dr. Michael Esfeld, Lausanne
Prof. Dr. Paul Cullen, Münster
Prof. Dr. Bernhard Müller, Melbourne
Prof. Dr. Boris Kotchoubey, Tübingen
Prof. Dr. Tobias Unruh, Erlangen
Dr. Sandra Kostner, Schwäbisch Gmünd
Dr. René Kegelmann, Stuttgart
PD Dr. Stefan Luft, Bremen
Prof. Dr. Harald Schwaetzer, Biberach
Prof. Dr. Andreas Brenner, Basel
Prof. Dr. Wolfram Schüffel, Marburg
Prof. Dr. Anke Steppuhn, Stuttgart
Prof. Dr. Saskia Hekker, Heidelberg
Jun.-Prof. Dr. Alexandra Eberhardt, Paderborn
Dr. Henning Nörenberg, Malmö
PD Dr. Axel Bernd Kunze, Bonn
Prof. Dr. Henrieke Stahl, Trier
Dr. Jens Schwachtje, Nürtingen
Prof. Dr. Christin Werner, Dresden
Prof. Dr. Ole Döring, Berlin
Dr. Christian Lehmann, München
Prof. Dr. Thomas Sören Hoffmann, Hagen
Prof. Dr. Stefan Homburg, Hannover
Prof. Dr. Salvatore Lavecchia, Udine
Prof. Dr. Steffen Roth, La Rochelle und Vilnius
Dr. Jan Dochhorn, Durham
Prof. Dr. Günter Roth, München
Dr. Hans-Jörg Ulmer, Leinfelden-Echterdingen
Prof. em. Dr. Stephan Rist, Bern
Prof. Dr. Wolfgang Stölzle, Bazenheid
PD Dr. Rainer Klement, Schweinfurt
Dr. Matthias Burchardt, Köln
Prof. Dr. Eberhard Göpel, Bielefeld
Prof. Dr. Sven Hildebrandt, Dresden
Dr. Justine Büchler, Dresden
Prof. Dr. Martin Winkler, Winterthur
Dr. Agnes Imhof, Erlangen
Prof. Dr. Viktoria Däschlein-Gessner, Bochum
Prof. Dr. Jörg Matysik, Leipzig
Dr. Christian Mézes, Schwäbisch Gmünd
Dr. Mohamed Mahde Saleh, Bonn
Prof. Dr. Alexander Blankenagel, Berlin
Dr. Dana Sindermann, St. Gallen
Prof. Dr. Gerald Dyker, Bochum
Prof. Dr. Pietro Corvaja, Udine
Prof. Dr. Klaus Morawetz, Münster
Prof. Kerstin Behnke, Weimar
Prof. Dr. Christina Zenk, Trossingen
Prof. Dr. Friedrich Röpke, Heidelberg
Prof. Dr. Hardy Bouillon, Trier

Ernährung, Emotionen und Politik

Am Mittwoch, den 29. Januar, war ich als Referent eingeladen, beim jährlichen „Update Mammakarzinom“, das von Prof. Dr. Weigel im Leopoldina Krankenhaus veranstaltet wird, über das Thema „Ketogene Ernährung unter Tumortherapie?!“ vorzutragen. Eigentlich nichts besonderes, immerhin habe ich darüber schon oft geredet und kann die meisten Studien aus dem Gedächtnis zitieren. Besonders war allerdings die Tatsache, dass viele meiner Arbeitskolleginnen und -kollegen und natürlich auch viele Ärzte unseres Krankenhauses und der Umgebung anwesend waren, und ich darin eine Chance sah, mehr Interesse an der ketogenen Ernährung als komplementäre Tumortherapie und der dahinter steckenden Physiologie zu wecken. Doch es sollte tatsächlich ein besonderer Vortrag werden, der vielen noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Mein Ziel war, eine allgemeine Einführung in das Thema zu geben, ein paar Synergieeffekte mit Strahlen-, Chemo und zielgerichteten Therapien zu zeigen und unsere eigenen Zwischenergebnisse aus der KETOCOMP Studie vorzustellen. Der Vortrag kann this site heruntergeladen werden. Schon während dem Vortrag entstand im Saal vor allem in den hinteren Reihen ein Getuschel, das ich während dem Reden als gar nicht so stark wahrnahm, das aber nach späterer Aussage meiner Arbeitskollegen fast schon unverschämt laut war. Ich weiß nur noch, dass das Getuschel laut wurde, als ich Wilhelm Brünings‘ historische Studie [1] zur „kohlenhydratfreien Ernährung“ kombiniert mit hohen Insulingaben aus dem Jahr 1941/42 vorstellte.

Nach einem wissenschaftlichen Vortrag ist es normalerweise üblich, dass man ein paar Fragen aus dem Publikum zulässt und kurz über die dargestellten Daten und Hypothesen diskutiert. Ich freute mich schon auf Fragen, doch es kamen keine; stattdessen gingen einige sofort zum Angriff über. Ein Arzt am Leopoldina behauptete, er habe früher in Würzburg zusammen mit Ulrike Kämmerer gearbeitet und beide hätten sehr früh die Idee einer ketogenen Ernährung für Tumorpatienten fallen gelassen. Leider ein Eigentor, denn ich erwiderte, dass ich mit Ulrike befreundet sei und deshalb wüsste, dass sie sehr wohl noch an der ketogenen Ernährung forscht. Die nächste Attacke kam von einem Onkologen im Ruhestand, der zuerst einmal ausführlcih darstellte, wie lange er als Onkologe gearbeitet hatte und dass er neben dem Dr. med. auch ein Biochemiestudium absolviert hatte. Mir war klar: Alles was jetzt kommt muss der Wahrheit entsprechen, denn wie kann sich jemand, der Arzt und Biochemiker zugleich ist, irren? Das ist das Prinzip der Eminence-based Medicine! Und so spulte er – übrigens auch Schweinfurter Lokalpolitiker – einen fünfminütigen Monolog ab, der im wesentlichen aus fünf Kritikpunkten bestand, aber vom Stil her eher an eine Parteienwahlkampfrede auf dem Marktplatz, nicht aber einen wissenschaftlichen Disput erinnerte. Unter anderem kritisierte er das Ergebnis einer relativ neuen iranischen Studie [2], die ich vorgestellt hatte, welche einen Überlebensvorteil von neoadjuvant mit Chemotherapie behandelten und sich dabei ketogen ernährenden Frauen zeigen konnte putty download , als „nicht signifikant“, obwohl die Kaplan-Meier Kurven mit p=0,04 nominell signifikant verschieden waren. Auch stritt er jegliche Relevanz von präklinischen Studien und Einzelfallberichten für die Klinik ab, und behauptete, die ketogene Ernährung würde Patienten aushungern ohne aber den Tumor aushungern zu können, da man ihm nie die Glukose entziehen könne. Ich hatte übrigens mit keinem Wort behauptet, dass das Ziel einer ketogenen Ernährung das Aushungern des Tumors sei. Schließlich das Argument, es gebe keine Evidenz für die ketogene Ernährung bei Krebs (inzwischen mein Lieblingsargument, zu dem ich bereits einige Leserbriefe und Arbeiten verfasst habe [3–5]). Ich fragte ihn, welche Ernährung er denn Patienten empfehlen würde, worauf die Standard-Antwort (ich hätte mir die Frage auch sparen können) „eine ausgewogene Ernährung“ kam. Ich fragte, welche Studie denn Evidenz zu Gunsten einer „ausgewogenen Ernährung“ geschaffen hätte, doch dann meldete sich schon die nächste Stimme aus dem Publikum zu Wort: Eine Krankenschwester, die – ebenfalls in einem knapp fünfminütigen, sehr emotionalen Monolog – ihre Erfahrung mit kachektischen palliativen Krebspatienten wiedergab. Diesen hatte offenbar eine selbst verordnete ketogene Ernährung nicht mehr geholfen, obwohl sie sich „jedes Stück Sahnetorte“ verkniffen hatten und damit ihrer Meinung nach auch das letzte Stückchen Lebensqualität aufgegeben hatten. Ich erwiderte, es gebe eben gerade bei kachektischen Patienten einen „point of no return“, ab dem kein spezieller Ernährungsansatz den Krankheitsverlauf mehr umkehren könne, und dass mein Vortrag vor allem um die ketogene Diät als komplementärer Ansatz bei kurativem Behandlungsziel ging. Schließlich kam noch von irgendjemand der Vorwurf, das Internet würde Patienten falsch über sogenannte „Krebsdiäten“ informieren und auf eigene Faust durchgeführte ketogene Diäten in einer Mangelernährung enden. Ich konnte erwidern, Falschinformation im Internet sei heute ein allgemeines Problem, das nichts mit der ketogenen Ernährung an sich zu tun hat. Schließlich war ich froh, als mein Chefarzt Reinhart Sweeney das Wort ergriff und zur Mäßigung aufrief. Er stellte heraus, wie wichtig vor allem unsere KETOCOMP Studie für das Leopoldina Krankenhaus sei, da das Darm- und Brustzentrum auch von der Anzahl unserer Studienpatienten profitiere (als zertifiziertes Zentrum sollte man Studien durchführen) und da wir weltweit eines der größten Kollektive von sich ketogen ernährenden Patienten hätten.

Nach dem Vortrag kamen einige Zuhörer zu mir, die sich sehr positiv äußerten. Im Gedächtnis geblieben ist mir ein Pharma-Vertreter, dessen Sohn erfolgreich mit ketogener Ernährung eine starke Colitis Ulcerosa in Schach hält. Für diesen Mann war klar, dass auch Einzelfälle zählen. Andere beschwerten sich über die aggressiven Kommentare aus dem Publikum. Beim anschließenden Essen stand ich dann irgendwann neben dem Herrn Lokalpolitiker-Arzt-Biochemiker, der allerdings selbst im persönlichen Gespräch hartnäckig blieb. Er hatte ein großes Problem damit, vor dem Vortrag nichts von unserer Studie gewusst zu haben. Den Vogel schoss er dann mit seiner Behauptung ab, Patientinnen würden unter ketogener Ernährung eine Ketoazidose entwickeln. Doch es kam noch schlimmer: Im Nachgang erfuhr ich, dass er sich darüber mokierte, ich hätte eine „KZ-Studie“ vorgestellt. Ein eindeutiger Beleg, dass er sich nicht einmal bemüht hat, etwas über Wilhelm Brünings und dessen Studie aus dem Jahr 1941 nachzulesen. Diese fand in Brünings‘ Privatklinik statt, und letzterer betont explizit die Wichtigkeit der ausreichenden Kalorienzahl für seine Patienten (wie man im Original [1] oder in meinem Übersichtsartikel dazu nachlesen kann [6]).

Insgesamt war dieser Abend das beste Beispiel für den fundamentalistischen Charakter eines Keto-Skeptizismus, den man – wenn auch etwas abgeschwächt – auch in der Fachliteratur finden kann. Der fundamentalistische Skeptizismus argumentiert gegen eine ketogene Ernährung bei Tumorpatienten anhand von Behauptungen, die nicht mit Daten belegt werden können. Das angebliche Herbeiführen einer Ketoazidose bei nicht-Typ I Diabetikern, die Notwendigkeit einer gewissen Menge an Kohlenhydraten in der Ernährung oder das Herbeiführen eines kachektischen Zustandes sind Beispiele dafür. In einem aktuellen systematischen Übersichtsartikel, den ich zusammen mit meiner Masterstudentin Nanina Brehm und Reinhart Sweeney geschrieben habe, äußern wir uns zu diesem fundamentalistischen Skeptizismus und zeigen anhand der Daten dass er nicht begründbar ist [7].

Ganz aktuell berichtet die Diplom-Psychologin Ilona Bürgel von einem ähnlichen Erlebnis, als sie nach einem Vortrag auf dem europäischen Kongress für positive Psychologie heftig von einer Professorin attackiert wurde [8]. Auch sie hatte in diesem Moment kaum eine Chance, Dinge mit Argumenten richtig zu stellen. Doch auch sie nimmt aus diesem Erlebnis viel positives mit: Die Zufriedenheit darüber, gut vorbereitet gewesen zu sein und im Rahmen der nicht erwarteten heftigen Reaktion gut reagiert zu haben sowie die Verbundenheit mit den Menschen, die nach dem Vortrag positives Feedback gegeben haben. Das kann ich nur bestätigen und noch hinzufügen, dass mich dieses Ereignis umso mehr motiviert, weiter an dem Thema ketogene Ernährung für Tumorpatienten zu forschen, damit wir uns bei künftigen Diskussionen noch besser auf Daten stützen können.

Literatur:

[1]        Brünings W. Beiträge zum Krebsproblem. 1. Mitteilung: Ueber eine diätetisch-hormonale Beeinflussung des Krebses. Münchener Medizinische Wochenschrift 1941;88:117–23.

[2]        Khodabakhshi A, Akbari ME, Mirzaei HR, Mehrad-Majd H, Kalamian M, Davoodi SH. Feasibility, Safety, and Beneficial Effects of MCT-Based Ketogenic Diet for Breast Cancer Treatment: A Randomized Controlled Trial Study. Nutr Cancer 2019;0:1–8. doi:10.1080/01635581.2019.1650942.

[3]        Klement RJ. Erheblicher Schaden für den Patienten durch Kohlenhydaratarme Ernährung. Wo ist die Evidenz? Leserbrief zum Beitrag “Krebsdiäten”, FORUM 2014.29;400-404.

[4]        Klement RJ. Beneficial effects of ketogenic diets for cancer patients: a realist review with focus on evidence and confirmation. Med Oncol 2017;34:132. doi:10.1007/s12032-017-0991-5.

[5]        Klement RJ. Ungerechtfertigte Empfehlungen zur ketogenen Diät. Urologe 2018;57:605–6. doi:10.1007/s00120-018-0632-4.

[6]        Klement RJ. Wilhelm Brünings’ forgotten contribution to the metabolic treatment of cancer utilizing hypoglycemia and a very low carbohydrate (ketogenic) diet. J Tradit Complement Med 2019;9:192–200. doi:10.1016/j.jtcme.2018.06.002.

[7]        Klement RJ, Brehm N, Sweeney RA. Ketogenic diets in medical oncology: a systematic review with focus on clinical outcomes. Med Oncol 2020;37:14. doi:10.1007/s12032-020-1337-2.

[8]        Bürgel I. Vom Nutzen ungerechtfertigter Kritik. MTA Dialog 2020;21:110–1.

7. Symposium der EMG

Das diesjährige Symposium der Gesellschaft für evolutionäre Medizin und Gesundheit e.V. (EMG) findet in Würzburg statt. Es unterscheidet sich zu den in den Vorjahren durchgeführten Symposien dadurch putty , dass es in ein dreitägiges Symposium eingebettet ist, und sich somit mehr Zeit zum Austausch und eine breitere Palette an Themen ergibt. Der Schwerpunkt liegt dieses Jahr auf der ketogenen Ernährung und ihrer Anwendung bei verschiedenen Krankheitsbildern wie z.B. Alzheimer, Autismus, Migräne oder Krebs. Dies zeigt, dass die ketogene Ernährung weit mehr Potential besitzt als ihre klassische Anwendung bei Epilepsie andeutet. Auf dem klassischen EMG Symposium, wird es dann auch noch einen Vortrag zur carnivoren Ernährung, quasi einer Sonderform der ketogenen Ernährung, von Amber O’Hearn aus den USA geben. Drei weitere Vorträge beschäftigen sich dann mit den Gemeinsamkeiten von traditioneller chinesischer und evolutionärer Medizin. Zum Abschluss gibt es drei Vorträge, die sozusagen über den Tellerrand hinaus blicken und sich mit Spiritualität und Wissenschaft (Prof. Dr. Harald Walach), der möglichen Evolution von Leben im Universum allgemein (Prof. Dr. Dirk Schulze-Makuch) und einer Hochdosis-Vitamin D Therapie gegen Multiple Sklerose (Dr. Dirk Lemke) beschäftigen.

Das Symposium startet am Freitag, 20. September mit praktischen Vorträgen, die sich speziell auch an Ernährungsberater(innen) richten. Am Samstag tragen dann viele internationale Referenten zum Thema ketogene Ernährung vor. Am Sonntag schließlich findet das traditionelle EMG Symposium statt, auf dem auch einige Firmen mit interessanten Produkten ausstellen werden. Hauptsponsor für alle drei Tage ist die Firma Dr. Schär. Fortbildungspunkte für Ärzte wurden von der Byerischen Landesärztekammer genehmigt.

Infos zum Programm, den Preisen und der Anmeldung gibt es unter https://evolution-medizin-gesundheit.org/2019/03/19/symposium-2019-der-emg/.

Comments to my realist review on ketogenic diets for cancer patients

Recently, I had the honor to correspond with Dr. Prasanta Bandyopadhyay about my realist review of ketogenic diets (KDs) for cancer patients (Beneficial effects of KDs for cancer patients (Klement 2017)). Dr. Bandyopadhyay is a professor of Philosophy in the Department of History, Philosophy, and Religious Studies at Montana State University, USA (check out his homepage here). Together with Gordon Brittan Jr. and Mark L. Taper he has written one of the most inspiring books I have recently read: Belief, Evidence and Uncertainty – Problems of Epistemic Inference. In my review, I had taken the concepts of evidence and confirmation developed in this book to summarize the available evidence for any putative anti-tumor effects of KDs in cancer patients and whether we should believe that such effects are “real” (in the sense of occurring in real world settings). Continue reading

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